Mi
17
Jun
2009
Erlebnis Mittelrhein Marathon
Was hab ich mir nur gedacht, als ich die Bahnfahrt nach Koblenz bzw. St.Goar (dort war die Jugendherberge) gebucht habe? Mir fiel erst zwei Tage vor Reiseantritt auf, dass das zeitlich ziemlich eng werden würde, wenn ich denn noch vor’m Start (18:15) in der JH einchecken wollte. Mir stand in Koblenz gerade mal eine Std zur Verfügung um meine Startunterlagen abzuholen – in der vom Hauptbahnhof 2,2 Km entfernten Sporthalle. Da Samstag war und es nur eine Buslinie dorthin gibt, fuhr nur alle 30 Min ein Linienbus und meine Bahn sollte genau so ankommen, dass ich 25 Minuten hätte warten müssen. Ich hoffte also, dass ein Shuttlebusservice eingerichtet war, damit ich nicht zu Fuß inkl. Gepäck hätte hetzen müssen.
Ich kam ziemlich pünktlich in Koblenz an. Es regnete. Ich war froh als ich das Schild sah, wo draufstand: Shuttleservice zur Sporthalle. Daneben standen zwei Busse. Ich stieg ein und wunderte mich nur, warum fast alle schon ihre Nummern umhaben. Zudem war die Hälfte des Busses mit Nordic Walkern besetzt. Die Fahrt begann. Irgendwann fuhren wir an einer Abzweigung vorbei und den Hinweisschildern zufolge, kamen wir aus der Richtung der Sporthalle, d.h. wir müssen schon dran vorbei gefahren sein. Der Bus hielt aber nirgends und wir befanden uns auf der Bundesstraße, die man später in Richtung Koblenz läuft. Keine Chance auszusteigen. Wo fuhren wir bloß hin? Kurze Zeit später hielt der Bus in Rhens – Start der Nordic Walker und Staffelwechselpunkt. Alle stiegen aus meinem Bus aus... ich ging zur Busfahrerin und fragte, ob sie jetzt zumindest wieder zurückfährt. Sie bejahte, zum Hbf. Sie ging noch einmal kurz zu dem anderen Busfahrer, denn auch der zweite Bus hielt nicht an der Sporthalle. Der hatte ebenfalls blinde Passagiere an Bord. So sammelten wir uns in einem Bus und wurden dann freundlicherweise an der Sporthalle abgesetzt. Ich hatte immerhin noch 30 Minuten Zeit um den Zug nach St. Goar zu bekommen. Zeitlich hat es eigentlich wenig ausgemacht – zum Glück. Doch noch fehlten mir meine Startunterlagen. Die Nummer bekam ich zügig. Als nächstes wollte ich mir mein Teilnehmershirt abholen. Dort war nur eine kleine Schlange, aber nichts tat sich. Das Problem war, dass nur noch Shirts in Größe ‚L’ da waren. Man konnte die Shirts aber nachbestellen, man musste nur den Zettel ausfüllen, der gerade noch gedruckt wurde. Deshalb die Warterei. Dauerte nicht lang bis ich meinen Zettel ausgefüllt habe, aber Zeit hatte ich ja eigentlich nicht. Als nächstes und letztes musste ich nur noch meinen Kleiderbeutel abholen, dort sollte auch das Gastgeschenk drin sein, war aber nicht, waren schon alle vergeben. Man konnte es aber ebenfalls auf dem Bestellzettel ankreuzen. Ich fand’s richtig gut, dass man das noch nachbestellen konnte, denn selbstverständlich ist das mit Sicherheit nicht.
Ich musste los. Ich hatte noch 17 Minuten um den Zug zu bekommen. Zum Glück stand gerade der Linienbus vor der Tür – Fahrtzeit: 15 Minuten! Das wird verdammt knapp. Hoffentlich sind jetzt nicht alle Ampeln Rot.
Es ging alles gut. Ich saß, gerade so, rechtzeitig im richtigen (!) Zug, auf dem Weg zur JH in St. Goar. Die erreichte ich um kurz nach halb Fünf. Zeit zum Ausruhen blieb aber nicht. Es ging bald weiter, wieder zum Bhf. St. Goar und von dort nach Oberwesel, Startort des Marathons. Nun befand ich mich schon in der unmittelbaren Wettkampfvorbereitung. Keine 45 Minuten mehr. Irgendwie war das bis hierhin ein ziemlich stressiger Tag. Nach Wettkampf war mir nicht zumute, schon gar nicht nach Marathon.
Aber ich hatte mir ja nicht viel vorgenommen, deshalb versuchte ich zu entspannen, machte noch ein paar Fotos von der herrlichen Gegend und dann ging’s auch schon los.
Mittlerweile hatte es aufgehört zu regnen, trotzdem verharrte die Temperatur bei frischen 11°C. So entschied ich mich auf den ersten Kilometern erst einmal warmzulaufen, woraus natürlich nichts wurde. 3:36 Min bei Km 1 – genau so schnell wie in Zürich. Nein, so schnell wollte ich nicht laufen und nahm ein wenig Tempo raus. Bis dahin waren wir zu dritt – auf den Plätzen 4 – 6. Der 4. setzte sich dann ein wenig ab, der andere blieb bei mir bzw. lief die ganze Zeit in meinem Windschatten. Nach 10 Km (37:37 Min) setzte ich mich dann von meinem „Verfolger“ ab und lief bis Km 13 die kleine Lücke zum Viertplatzierten zu. Das Schöne an der Strecke war, natürlich neben dem Rhein, den (Wein-)Bergen und den vielen Burgen rechts und links, dass man immer einen weiten Blick auf die Strecke hatte. So konnte man sogar die Ersten in der Ferne sehen, obwohl die immensen Vorsprung hatten.
Zusammen mit dem 4. lief es ganz gut, das Tempo blieb gleichmäßig, auch wenn es gefühlt ein bisschen schneller war. Aber das lag wohl nur daran, weil wir uns unterhielten... so hatten wir uns Beide z.B. nicht viel vorgenommen für diesen Lauf und sowohl seine Bestzeit (2:33h) als auch meine (2:32h) passten gut zusammen. Es war ziemlich kurzweilig...
Beim Halbmarathon hatten wir 1:18:59. Das war iO, dafür ging’s bis hier ganz locker. Ich hatte mir vorgenommen, die zweite Hälfte schneller zu laufen. Der Kollege fand das gut und schloss sich an, so liefen wir die nächsten 5 Km fast eine Minute schneller als bisher... darunter litt natürlich die Unterhaltung, die größtenteils eingestellt wurde. Nun war Wettkampf und kein Training mehr. Aber die Beine waren noch sehr locker.
Nach 30 Km überholten wir den Drittplatzierten, der lt. Ergebnisliste beim Halbmarathon noch 1:30 Min Vorsprung hatte. Nun waren wir also 3. und 4. – und wir waren schnell unterwegs. Doch plötzlich bekam ich, warum auch immer, Magen-Darm-Probleme und hielt noch bis Km 33 durch, dort verschlug es mich dann in die Büsche. So’n Mist... im wahrsten Sinne des Wortes ;-) Der 3. war weg und der, den wir kurz zuvor überholt hatten, musste mich hier wohl auch wieder überholt haben. Nach meiner Zwangspause lief ich erst einmal mit Seitenstichen weiter. Und dabei ging’s mir eigentlich richtig gut, ich bin immer noch alles locker unter 4:00 Min/Km gelaufen. Bei Km 39 ging’s dann wieder in die Büsche. Es lief nicht nur auf der Strecke gut ;-) Die letzten drei Km waren dann kein Problem mehr und nach 42,195 Km finishte ich am Deutschen Eck in Koblenz in 2:41:04 auf dem 5. Platz. Als Belohnung dafür gab es ein kleines Preisgeld. Ich freute mich zunächst aber mehr darüber, dass es viele Toiletten in der näheren Umgebung gab... Dann wollte ich einfach nur zur JH zurück.
Der Tag, der so stressig begann, endete dann auch noch so. Diesmal erwischte ich den richtigen Shuttlebus - zum Hbf. Dort kamen wir kurz nach 23 Uhr an. Mein Zug fuhr um 23:54. Das war mir bekannt. So konnte ich wenigstens noch die Toilette aufsuchen... Als ich dann auf die Abfahrtstafel blickte, stand dort, dass mein Zug ca. 30 Min Verspätung hat. Super, dann bin ich erst um 01.00h in der JH! Naja, ich konnte ja nichts machen und ging deshalb zum einzigen offenen Laden im Bahnhof – zu MC Donald’s. Und da es mir ja sooo gut ging, habe ich mir einen Tee geholt! Kein Witz. Normalerweise müsste man sich dafür schämen :-) Um kurz nach Mitternacht trottete ich zusammen mit einem jungen Pärchen zum Bahnsteig und zu unserer Überraschung stand auf dem Gleis eine Regionalbahn, allerdings nicht in Betrieb und die Techniker beleuchteten diese mit ihren Taschenlampen. Auf die Frage, ob die Bahn denn noch fährt, meinte der Mitarbeiter, unsere Bahn sei schon weg. Nach der Abfahrtstafel hätten wir aber noch fünfzehn bis zwanzig Minuten Wartezeit gehabt. Der Bahn-Angestellte nahm sein Handy in die Hand und erkundigte sich nochmals, aber die Antwort blieb dieselbe. Heute kein Zug mehr. Na toll. Bis um 4.30h wollten wir nicht warten und so entschieden wir uns zu dritt ein Taxi zu nehmen. Die beiden waren nämlich Halbmarathon gelaufen und hatten ihr Auto dort am Start abgestellt. Da keiner von uns viel Geld dabei hatte (wir hatten ja schließlich vom Veranstalter die Bahntickets) kamen wir auf zusammengelegte 35€. Wir gingen zum Taxistand und fragten einen Fahrer, was die Tour nach Boppard denn kosten würde... 33€ war seine Antwort. Puh, wenigstens hier mal Glück gehabt. Die Taxifahrt war dann noch ganz lustig. Wir erreichten Boppard und von dort fuhren mich die Beiden noch zur JH. So lag ich um 01.00h endlich im Bett. Was für ein Tag!
Dennis Mehlfeld

