Mo

20

Jul

2009

Halbmarathon-Bestzeit in Hamburg

Diesen Lauf hatte ich mir ausgesucht um mein Saisonziel zu erreichen. Das Ziel war es unter 1:10h zu bleiben. Und dafür benötigte ich einen schnellen, teilnehmerstarken und vor allem bestenlistenfähigen Lauf – so fiel die Wahl auf Hamburg, nachdem Berlin im April wegen der Norddeutschen Meisterschaften über 10 Km nicht möglich war.

In Anbetracht der Hamburger Strecke, fiel mir auf, dass der Verlauf sich gegenüber meiner letzten Teilnahme 2006 geändert hatte. Nun war sogar ein kleiner Anstieg mit drin (von den Landungsbrücken hoch zur Reeperbahn). Die Strecke war also nicht ganz flach, aber das sollte nicht als Ausrede dienen.

Ich hatte mich mit meinem Hamburger Lauffreund, Mourad Bekakcha, abgesprochen, wir beide wollten unter 1:10h bleiben. Kurz vor dem Start trafen wir uns, besprachen noch einmal die Renntaktik und stellten uns dann hinter die Kenianer. Und das Wetter war optimal, es war noch sehr frisch in Hamburg, obwohl für den Tag so 22-25°C angekündigt waren. Die Rahmenbedingungen waren also gegeben, jetzt musste „nur noch“ gelaufen werden.

Der Startschuss fiel und zu meiner Überraschung wollte keiner der Kenianer Tempo machen. Ich lief mitten im Pulk von 12 Kenianern und Mourad war auch dabei (der aufgrund seiner algerischen Herkunft auch einen etwas dunkleren Teint hat als wir Mitteleuropäer). Das hat Laune gemacht... und ich war der einzige „Weiße“ in der Gruppe ;) Nach zwei Km bemerkten die Kenianer, dass sie für ihre Verhältnisse langsam waren und gaben Gas... Mourad und ich blieben zurück. Nun begann das Unternehmen „Bestzeit“. Die ersten 5 Km waren zwar gut und genau in dem Zeitbereich, wo sie liegen sollten, aber richtig gut gingen die Beine nicht. Nach 8 Km hätte ich am liebsten schon aufgehört, irgendwie ging nicht viel. Das hat man bei Km 10 auch auf der Uhr gesehen, mit so einer Zwischenzeit musste das eine ganz knappe Geschichte werden. Ab diesem Zeitpunkt hab ich dann die Tempoarbeit komplett gemacht (vorher auch schon mehr als Mourad) und Mourad hing Hinten dran... Gebracht hat das allerdings nichts, die nächsten 5 Km waren noch einmal 20 bzw. 40 Sek langsamer als die beiden vorherigen. Mit der Zwischenzeit, die wir bei Km 15 hatten, würde es sehr schwierig werden unter 1:10h zu laufen... eigentlich wollte ich schon eine Minute früher dort durchgelaufen sein.

Na gut, hab ich mir gedacht, bis jetzt lief der Wettkampf überhaupt nicht gut, aber warum bin ich hier? Klare Antwort: um Bestzeit zu laufen. Und ich wollte es wenigstens versucht haben, die Zeit zu erreichen. Der Ehrgeiz, der mir auf den ersten 15 Km fehlte, den hatte ich jetzt geweckt. Es war aber eine schwere Aufgabe, das war mir bewusst. Ich verschärfte sofort das Tempo, einen Kilometer später musste Mourad abreißen lassen. Es war schon schwer genug, die Beine wieder schneller zu bewegen und nun musste ich alleine durchkommen. Ich schaute nun jeden Kilometer auf die Uhr um zu sehen, ob ich die Chance wahren kann. Ich war so fertig, konnte aber das hohe Tempo halten. Zwei Kilometer vor dem Ziel, es war immer noch nicht abzusehen, ob ich es schaffen würde, sah ich in der Ferne vor mir einen Kenianer laufen. Der muss wohl „eingegangen“ sein. Das war noch mal Motivation. Ich werde nicht eingehen. Bei Km 20 zeigte die Uhr dann 1:06:24. Allerdings waren ja noch 1,0975 Km zu laufen... oh man würde das eng. Die leicht ansteigende Rothenbaumchaussee stand ja noch bevor.

Ich kam dem Kenianer zwar immer dichter, aber nicht wirklich nah heran. Aber ich kämpfte. Als ich die Zieluhr dann endlich sah, packte ich noch einmal alles in den Schlussspurt und die Uhr tickte gnadenlos gegen mich... nur noch 5,4,3,2 Sek Zeit und dann war ich drin – mit einer Bruttozeit von 1:09:59! Ich hab mein Ziel erreicht und bin damit bester Nicht-Kenianer geworden ;) Netto wurde die Zeit auf 1:09:55 korrigiert – die Mühen haben sich gelohnt, ich bin super happy und meine Saison kann ich „locker ausklingen“ lassen! Wie schön... ;-)

 

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