Fr
29
Jan
2010
Geburtstag in Dubai
Eine Frage, die ich so oft hörte: Wie kommt man auf die Idee nach Dubai zu fliegen um dort Marathon zu laufen? Für mich war die Antwort darauf ganz einfach: weil ich am Marathontag Geburtstag habe! Und das ist im Januar schon schwierig so einen Marathon zu finden. Zudem stand mein erstes kleines „Marathon-Jubiläum“ an – es sollte nämlich mein 10. Marathon werden. Und mit Dubai war es dann sogar etwas Besonderes. Außerdem hat die Faust so was von auf’s Auge gepasst, dass ich gar nicht drum herum gekommen wäre nicht hinzufliegen. Also machte ich mich auf nach Dubai.
Einen Tag vor dem Marathon reiste ich an. Bereits am Morgen war es 20°C warm und damit rund 25°C wärmer als zuhause. Also hieß es, Pullover aus und Sonnenbad nehmen... Meine erste Aufgabe war es die Startunterlagen abzuholen. Danach konnte ich dann schon ein bisschen die Stadt erkunden und habe mit „The Palm Jumeirah“ (mit einem wahnsinnig beeindruckenden Atlantis-Hotel), dem „Burj al Arab“-Hotel (wird als 7-Sterne-Hotel bezeichnet, auch wenn es „nur“ die maximalen fünf hat) und der „Dubai Mall“ (sehr sehr großes Einkaufszentrum :-) ) bereits einiges gesehen. Dass ich dabei die ganze Zeit auf den Beinen stand und sehr viel spazieren gegangen bin, das habe ich dann ab späten Nachmittag gemerkt. Vielleicht vor einem Marathon nicht gerade förderlich, aber ich wollte ja auch was von der Stadt sehen. Dennoch ging es dann zurück ins Hotel und ich ließ den Abend mit einem erholsamen Bad ausklingen. Um 21.00h Ortszeit fiel ich todmüde ins Bett.
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Freitag, 22. Januar 2010, 04.00Uhr in Dubai (01.00h in Deutschland). Der Radiowecker klingelte. Und erstaunlicherweise war ich gar nicht so müde... Ich hab wunderbar geschlafen und anscheinend auch genug. Auf jeden Fall war ich hellwach. Was ein Geburtstag so alles bewirken kann :-) Mir ging’s schon richtig gut. Es musste nicht erst noch mein Tag werden, es war schon meiner.
Und er ging weiter mit einem Frühstück und einer Taxifahrt zum Startgebiet. Dort war noch nicht so viel los, obwohl es nur noch 70 Minuten bis zum Start waren. Na gut, es sollten ja auch nur 1700 Läufer/innen den Marathon in Angriff nehmen. Für die Stadt, die in der Welt immer die neuesten und größten Sachen haben möchte, ist es enttäuschend. Spitzenläufer sind zwar da, aber es fehlt an Hobbyläufern, die ja bekanntlich nicht mit Geld engagiert werden. Jetzt war es schon die 11. Auflage und man dümpelt immer noch bei weniger als 2000 Marathonläufer/innen herum. Immerhin sind der 10 Km und 3 Km Lauf gut besucht, sodass man insgesamt auf rund 10.000 Teilnehmer kommt.
So langsam wurde es im Startbereich auch hektischer. Ich sah mir diesen Trubel entspannt an und fing dann eine halbe Stunde vorher an mich umzuziehen. Anschließend lief ich mich ein wenig ein und stellte mich an den Start – oder 150m dahinter, denn vorne an der Startlinie durften nur die Profis um Weltrekordhalter Haile Gebrselassie und der Vorjahressiegerin und Favoritin Bezunesh Bekele stehen.
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Dubai, 06.30Uhr: Startschuss für den Marathon. Links und rechts neben mir legten einige los wie die Feuerwehr. Ich ließ mir Zeit. Warum so früh anfangen richtig zu laufen, wenn die Zeit erst 150m später anfängt zu laufen? Also machte ich bis zu der Startlinie locker und dann ging’s los. Insgeheim erhoffte ich mir eine Bestzeit, hielt aber eine 2:32h/2:33h für realistisch. Es war schwer einzuschätzen, vor allem weil man seit Wochen nur auf Schnee und Eis trainieren konnte. Aber es lief von Beginn an gut. Der erste Kilometer war viel zu schnell. Nach einem Kilometer hatte ich bereits die 150m Rückstand auf die Frauen aufgeholt. Umso besser dachte ich, jetzt wird nur noch mitgelaufen. Und das war cool. Wir waren eine große Gruppe von ca. 20 Läufer/innen und so viele Weltklasseathletinnen um einen herum. Wie schön, da fühlt man(n) sich wohl ;-) Auch wenn die Straße nur geradeaus ging (alles komplett flach), es wurde überhaupt nicht langweilig. An der ersten Verpflegungsstation ging’s dann rund – denn alle wollten etwas trinken. Für mich ist so etwas ganz ungewohnt, denn selbst bei Marathons, wo ich „nur“ so um die Plätze 30+ mitlaufe ist weniger Gewühl. Aber ich glaube alle haben etwas abbekommen, denn es wurde untereinander fair geteilt. Dann eine Besonderheit: es kam eine Kurve. Ja tatsächlich, eine Kurve... hatte schon fast vergessen, was das ist – so nach 5 Km geradeaus laufen. Man bog in eine Seitenstraße ab, lief die einen Kilometer geradeaus und wendete... Achtung Kurve ;-) Nach einem weiteren Kilometer bog man wieder auf die Hauptstraße und lief diese weiter. Drei Kurven innerhalb von zwei Kilometern, das ist mal Abwechslung.
Das Tempo in meiner Gruppe wurde allmählich schneller und mir ging’s immer besser. Am Anfang hab ich noch gemerkt, dass ich so früh noch nicht 100%ig fit bin, aber nun ging es. Außerdem wurde es jetzt hell draußen... und natürlich bisschen wärmer. Beim Start waren es noch angenehme 17°C, nun sollte es bis zum Ziel auf 24°C ansteigen (und man lief nur in der Sonne!). Es hieß also viel trinken und selbst die Spitzenläuferinnen tranken alle 2,5 Km. Nach 10 Km blickte ich dann mal auf meine Uhr um zu sehen, wie es läuft. Und siehe da: 34:44 Min. Damit war ich drei Sekunden schneller als bei meiner Bestzeit in München. Das hat also gepasst, ich war auf einem guten Weg. Und trotz ständigem Geradeauslaufen war es überhaupt nicht langweilig, obwohl man rechts und links auch nicht wirklich viel sehen konnte – außer Eingangstore zu irgendwelchen Palästen, die wiederum nicht sichtbar waren. Aber ich musste ja sowieso aufpassen, den Anschluss in meiner Gruppe zu halten, denn jetzt zog das Tempo weiter an und die Gruppe minimierte sich so langsam. Dann gab es doch etwas zu sehen. Haile & Co. kamen uns auf der anderen Straßenseite entgegen. Ich war überrascht, wir hatten nur rund 3 Km Rückstand – Haile konnte nicht mehr auf Weltrekordkurs liegen, ich dafür gut auf Kurs zur persönlichen Bestzeit ;-) So sah ich es dann auch bei der Halbmarathonmarke. Ich benötigte 1:12:48 für die erste Hälfte. 1:30 Min schneller als in München. Wir hatten halt ein bisschen angezogen und ich freute mich über diese gute Durchgangszeit. Gut gefühlt habe ich mich immer noch – ein gutes Zeichen.
Die zweite Hälfte startete vielversprechend, denn der Wendepunkt wurde erreicht. Und da passierte etwas, was sehr komisch war. Der Wendepunkt hat unsere Gruppe zerlegt. Grund war die 180°-Kurve. Nach 14 Km (!) geradeaus laufen musste man seinen Laufrhythmus ja kurzzeitig umstellen und das war sehr schwierig. Auf einmal mussten kürzere Schritte gemacht werden. Selbst ich hatte damit Probleme, konnte den Anschluss aber gerade eben halten. Andere hingegen haben in der Kurve so viele Meter verloren, dass sie nicht mehr herankamen, zumal vorne weiter auf das Tempo gedrückt wurde. Was eine einzige Kurve so alles anrichten kann. Aber ich war immer noch bei der Frauenspitze, wo ich solange wie möglich mitlaufen wollte. Allerdings waren wir jetzt nur noch 10 Läufer/innen, wir hatten 5/6 Mitstreiter verloren. Und nun war ich der einzige „Weiße“ in der Gruppe – der Albino sozusagen :-) Das spürte ich auch gleich, denn der Fotograph bat mich aus dem Bild zu gehen, damit er die anderen fotografieren konnte. Wie gemein. Immerhin hat er danach noch ein Bild von mir alleine gemacht. Dann durfte ich zurück in die Gruppe. Allerdings wusste ich, dass das nicht mehr lange gut gehen könne, denn wir sind die Km jetzt so um die 3:20 Min oder darunter gelaufen. Die Gruppe wurde zusehends kleiner und bei Km 28 musste ich dann abreißen lassen. Von da an ging’s alleine weiter. Mitten in der Sonne und nur geradeaus auf einer großen dreispurigen Straße. Aber mir ging’s noch relativ gut und vom Kopf her lief es noch super rund. Ich fand meinen Geburtstag jetzt schon richtig geil, obwohl der Tag ja noch jung war. Und dann standen hin und wieder ja auch kleine Zuschauergruppen am Rand und applaudierten nett. Ich lief an drei Zuschauern vorbei, die mich aufgrund meines Vereinstrikots (Farben blau/gelb) für einen Schweden hielten („Go Sweden go“). Dann sahen sie auf meinen Rücken und entdeckten ihren Fehler, denn die drei kamen auch aus Deutschland und sie feuerten mich dann noch mal auf deutsch an ;-) So blieb es dann kurzweilig. Zudem sah ich auf meiner Uhr, dass ich immer noch auf Bestzeitkurs war, obwohl ich gefühlt nun doch schon ziemlich langsam war. Bei Km 36 kam dann endlich mal wieder eine kleine Kurve, nach der man aber wieder kilometerweit nach vorne blicken konnte. Und vor mir ist eine Afrikanerin „eingegangen“. Mein Ziel war es jetzt diese einzuholen, was ich bis Km 39 schaffte. Beim Blick auf die Uhr bei Km 40 war ich richtig happy. 2:27h sind so was von drin hab ich mir gedacht, sodass ich noch mal die letzten Kräfte mobilisieren konnte. Bei Km 41 stand noch ein aufmunterndes Schild – zumindest wenn es einem so gut geht wie mir. Ansonsten könnte es wohl dazu führen, dass gerade hier die Leute denken: ach, recht hat es. Denn bei Km 41 war eine Baustelle und für die Autos stand dort ein Schild, auf dem es hieß: „Reduce your Speed now“. Nix da, jetzt wird erst recht wieder erhöht, dachte ich mir. Und es lief tatsächlich. Auf dem letzten Kilometer durfte man noch ganze drei Kurven laufen, sodass man über den ganzen Marathon auf acht Kurven kommt. Irgendwie unnatürlich. Auf den Tribünen im Zielbereich war dann das erste Mal während des Marathons viel los, was auch an den vielen angereisten äthiopischen Fans lag, die aber jeden Zieleinlauf – so auch meinen – feierten. Beim Blick auf die Uhr war ich dann doch überrascht, dass es eine flache 2:26h (2:26:13) war. Damit hatte ich nicht gerechnet. Exakt 2:30 Min schneller als in München. Wie geil und was für ein Geburtstagsmarathon. Ich war (und bin es immer noch) super zufrieden mit diesem Lauf. 20. Platz gesamt (davon vier Frauen vor mir) und zweitbester Europäer bzw. Nicht-Afrikaner – einfach unbeschreiblich schön, zumal das Feld ja kein schlechtes war. Es war einfach mein Tag!
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Nach dem Marathon war aber noch nicht Schluss. Nach einer leider nicht wohltuenden Massage, setzte ich später meine Sightseeingtour fort. Ich war halt noch nicht genug gelaufen :-) Auf dem Programm stand noch die Mall of the Emirates (u.a. mit Skihalle, kleinem Freizeitpark und Bowlingbahn – alles in dem Gebäude mit drin), der Dubai Creek (Meeresarm vom Persischen Golf, der Dubai zweiteilt) und zum Abschluss des Tages eine Fontänenshow (natürlich mit den größten der Welt) sowie die Besichtigung des neuen höchsten Gebäudes der Welt, des Burj Khalifa. Der Blick von der Aussichtsplattform, die sich auf rund 420m befindet ist schon faszinierend.
Und dann ging ein ereignis- und erlebnisreicher Tag zu Ende....
Was ich noch empfehlen kann, wenn man in Dubai ist, ist eine Wüstentour. Wir sind mit einem Jeep die Sanddünen hoch und hinunter gecruist – unser Tourenführer nannte es den „desert rollercoaster“ und gefühlt war es auch so. Aber sehr lustig und schön. Dann wurden wir in so ein Wüstencamp gefahren, wo ich auf einem Kamel geritten bin, wo es Sandwiches und später Gegrilltes gab und wo es Showeinlagen in Form von Musik mit Livegesang sowie Bauchtanz gab. Dazu noch ein schöner Sonnenuntergang und die Tour hat sich voll und ganz gelohnt.
Insgesamt war Dubai definitiv eine Reise wert. Mir hat’s gefallen.
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Und jetzt bin ich wieder zuhause. Hatte schon fast vergessen, wie kalt es hier ist. Aber na gut, ich werde es überstehen und die nächsten warmen Tage kommen bestimmt.
Kommentare: 9
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#1
Hey Dennis!
Erstmal alles gute nachträglich zu deinem Geburtstag und einen riesigen Glückwunsch zu deinem persönlichen Geburtstagsgeschenk (Finish Dubai-Marathon)! Ich habe dich schon öfters laufen gesehen (Ratzeburger Adventslauf, 5-Seen-Lauf...) und kann nur sagen: "Hut ab"!!!
Ich wünsche dir weiterhin für deine Karriere alles gute. Schöne Grüße aus Wittenburg
Martin -
#2
Hallo Dennis,herzlichen Glückwunsch nachträglich zum Geburtstag und gleiches gilt für das Geschenk, welches du dir persönlich durch dein tolles Abschneiden beim Dubai-Marathon gemacht hast!Ich beobachte deine Laufentwicklung überwiegend aus der "Ferne" und bin immer wieder von deinen stetigen Fortschritten im Marathon (und nicht nur dort)begeistert, zumal ich aus weis, dass du dir alle deine Erfolge ganz alleine durch gut dosiertes Training erarbeitest. Ich wünsche dir für das Jahr 2010 weiteren Erfolg und Gesundheit. Mit freudl. und sportl. Grüßen von Dieter Schernau
P.S. Für mich habe ich beschlossen, in diesem Jahr (werde 72 Jahre) nicht mehr auf schnelle Zeiten über 800 m bis Halbmarathon zu trainieren und zu laufen, sondern werde einige Gänge (nach 33 Jahren) zurückschalten! -
#3
Dennis,super der Hammer
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#4
Hab mir mal gedacht schau mal kurz vorbei.
Was soll ich dazu noch sagen?
Supi gemacht, hab dir die Daumen gedrückt
aber jetzt müsstest ja ordentlich Farbe
getankt haben oder??
Also pass auf bei dem Wetter und verletz
dich nicht wer weiß in welche Dimensionen
Du dann noch vorstößt...
Bis denni
LG -
#5
Doch, da versteht man doch sofort, dass der Geburtstag niemals besser hätte sein können.
Hoffentlich wird der Frühlingsanfang ähnlich gut ;-).
Lieben Gruß
Suse -
#6
Saustarke Leistung, gratuliere!
Gruss aus NYC
Uli -
#7
Super starke leistung! Bitte achte aber darauf nicht zu viele wettkämpfe zu machen und vor allem max 2 marathons im jahr zu laufen. du bist noch jung und wenn du dir deine kräfte gut einteilst kannst du großes erreichen...
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#8
Hallo Dennis!
Wir gratulieren dir nachträglich zu deinem Geburtstag. Das Geburtstagsgeschenk war das Beste und Schönste für dich. Du warst Super !!!!
Für die Zukunft wünschen wir dir weiterhin viele schöne Läufe -
#9
Hi Dennis,
du Albino-Afrikaner :-)
Herzlichen Glückwunsch nachträglich zum Geburtstag und zum Dubai-Marathon. Das war ja mal wieder eine Hammerleistung !!! Ganz große Klasse ! Hut ab!!!!
Hoffe mein Geburtstagsgeschenk (IronMan Regensburg) wird genauso ein unvergessliches Erlebnis.
LG
Markus 
Dennis Mehlfeld
