Di
06
Apr
2010
Berliner Bestzeit
Eine Woche nach meinem Monaco-Coup fuhr ich also nach Berlin – weiterhin mit der Zielsetzung Bestzeit zu laufen. Obwohl ich mir da aber nicht mehr so sicher war, ob ich das schaffen könnte. Dafür war Monaco zu belastend gewesen und die Woche über waren die Beine doch ziemlich schwer. Ich ließ es einfach so auf mich zukommen – ohne mir einen gewissen Druck zu machen. Für die nötige Motivation sorgte die Unterstützung von „zuhause“. Es wurden mir so nette Sachen wie z.B. „megaschnelle Beine“ gewünscht ;-) Es konnte also losgehen.
Das Wetter war zunächst bescheiden. Leichter Nieselregen, noch keine 10°C und dazu Wind, der auf dem ersten Teilstück von vorne kam.
Ich fand’s eher nicht so optimal. Genauso wie die Karl-Liebknecht-Straße auf der gestartet wurde. Um in meinen Startblock zu kommen, musste ich noch über eine Brücke. Dort tummelten sich so viele Läufer und Zuschauer – da war kaum ein Durchkommen. Ich war ziemlich spät dran, aber ergatterte mir dann doch noch einen guten Startplatz.
Das Rennen begann mit den üblichen Positionskämpfen. Die erste Gruppe mit den Afrikanern war weg, die zweite Gruppe mit paar Europäern (darunter vier Deutsche) auch. Ich lief in der dritten Gruppe, die ebenfalls international besetzt war. Ich lief schön mittendrin um nicht zu sehr den Gegenwind abzubekommen. Der Nieselregen stellte sich ein, es wurde einen kleinen Tick wärmer, aber die Straße war ziemlich nass. Und ich spürte schnell meine Beine, die bisschen schwer waren. Sonst fühlte ich mich gut – und eigentlich auch schnell. Doch bei Km 4 liefen dann die ersten beiden Frauen an unserer Gruppe vorbei. Ich versuchte an den Frauen dranzubleiben. Unsere Gruppe zerfiel ein bisschen und ich dachte nun schon, dass das gerade ziemlich schnell ist. Die Zeit bei Km 5 sprach dagegen. Mit 16:24 Min war ich gerade mal sechs Sekunden schneller als eine Woche zuvor. Und ich fühlte mich schon viel platter. Unsere Gruppe wurde jetzt nach der ersten Getränkestation so klein, dass nur noch ein Weidener und ich den beiden Kenianerinnen folgen konnten. Nach 7 Km sorgte ich dann für das Tempo. Das war zwar anstrengend, aber anscheinend ziemlich schnell, denn die beiden Frauen ließen abreißen. Einen Kilometer später übernahm der Weidener und ich konnte mich im Windschatten „erholen“. Gefühlt war ich jetzt aber schon am Limit und machte mir noch keine Gedanken über die Endzeit. Schließlich war noch soo weit zu laufen. Wir wechselten uns nun jeden Kilometer ab. Km 10 passierten wir nach 32:38 Min. Damit war der 5 Km-Abschnitt etwas schneller als der erste und ich lag immer noch im Monaco-Zeitenbereich (3 Sek vor). Jetzt wechselten wir die Richtung und der Wind kam von hinten. Spaß hat das Ganze trotzdem nicht gemacht, aber ich war gewillt Bestzeit zu laufen. Und irgendwoher bekam ich auch die zweite Luft, die allerdings nicht mehr die Beine mit genügend Sauerstoff versorgte. Es ging jetzt über den Kopf und ich habe gekämpft. Aus der Gruppe vor uns musste einer abreißen lassen. Mein Ziel war es diesen noch vor dem Ziel einzuholen. Er hatte nämlich viel Vorsprung (lt. Ergebnisliste waren es 48 Sek nach 10 Km). Ab Km 13 machte ich mich alleine auf die Verfolgung, denn dem Weidener wurde es zu schnell. Und diesmal bestätigte die Uhr das. 48:49 bei Km 15 und wieder ein schnellerer 5 Km-Abschnitt. Ich wurde immer schneller und der vor mir Laufende nicht. Allerdings hatte er immer noch einigen Vorsprung. Ich zog mich jetzt von Km-Schild zu Km-Schild. Die vielen Zuschauer an der Strecke konnten dabei leider nicht wirklich helfen. Es kam Km 17, mir hing sozusagen schon die Zunge aus dem Halse, aber der Rückstand war nicht mehr groß. Nun überholte ich sogar vor mir gestartete Inline-Skater – auch mal was Neues ;-) Mit großen Schritten näherte ich mich dem Erfurter vor mir. Und kurz nach Km 19 war es dann soweit. Ich flog an ihm vorbei. So habe ich das auch noch nie erlebt. Er war so „auf“, dass er sich nicht mal mehr hinten ’ranhängen konnte. Oder anders gesagt, ich war einfach noch wahnsinnig schnell. Nach 20 Km und 1:04:49 (wieder schnellerer 5 Km-Abschnitt) kam die Bestzeit immer näher. Die ganz schweren Beine konnte ich die ganze Zeit (fast) ignorieren und auf dem letzten Kilometer mobilisierte ich die letzten Kräfte. Es ging noch kurz über eine Brücke und dann leicht abfallend hinein ins Ziel. Richtig happy und total kaputt stoppte ich meine Uhr nach 1:08:15. Die Monaco-Bestzeit hatte nur eine Woche Bestand. Jetzt war ich noch mal 36 Sek schneller. Und unter fast 20.000 Finishern erreichte ich Platz 23. Eine schöne Momentaufnahme.
Und so bleibt Berlin für mich so in Erinnerung wie für viele andere: Berlin hat eine schöne Strecke, wobei ich nur das Brandenburger Tor, die Siegessäule und Checkpoint Charlie „mitbekommen“ habe (es gab noch weitere Sehenswürdigkeiten, wie u.a. das Schloss Charlottenburg). Und flach und schnell ist sie auch - allerdings muss man dafür selbst was tun, damit es schnell wird und das begriff ich erst nach paar Km Anlauf ;-)
Nach Berlin habe ich mich dann erstmal paar Tage erholt. Zwei gleichwertige Halbmarathons in einer Woche sind doch ziemlich kräftezehrend. Nun muss ich erst am 18.04. wieder fit sein, denn dort finden die Deutschen Halbmarathon Meisterschaften statt. Wie es da läuft bzw. lief – ich werde berichten!
Dennis Mehlfeld

