Do

22

Apr

2010

Deutsche Meisterschaften im Halbmarathon

In diesem Jahr fanden die Meisterschaften in Bad Liebenzell, einem kleinen Städtchen im Schwarzwald statt. Trotz der Lage wurde ein flacher Rundkurs angeboten, der schnelle Zeiten zuließ. Deshalb hatte ich zwei Ziele: Bestzeit laufen, möglichst unter 1:08h, und ein Platz unter den ersten 20.

Aber bevor ich laufen konnte, hatte ich noch eine der weitesten Anreisen aller Teilnehmer vor mir – und das mit der Bahn. Eigentlich nix Besonderes. Aber eine Aschewolke, die den Flugverkehr lahm legte und damit die Bahnen füllte, das war dann auch wieder was Neues. Und ich hatte keinen Sitzplatz reserviert. Aber das sollte nicht das einzige Problem bleiben. Als ich am Samstagmorgen erfuhr, dass in der Nacht ein Lkw unter einer Eisenbahnbrücke in Hamburg-Harburg in Brand gesetzt wurde und deshalb der Bahnverkehr sehr stark eingeschränkt bzw. umgeleitet wurde, da habe ich dann nur gehofft, noch an dem Samstag in Bad Liebenzell anzukommen. Was ich letztendlich tat und das nur eine Std später als ursprünglich geplant, obwohl wir aufgrund von Bauarbeiten paar Umwege nehmen mussten bzw. im Stau standen. Und einen Sitzplatz hatte ich mir ebenfalls ergattern können.

So kam ich also ausgeruht im Kurort Bad Liebenzell an. Das erste, was mir ins Auge fiel, waren die Berge rechts und links der Nagold, die mitten durch Bad Liebenzell fließt. Es sah ganz nett aus. Und in dem nicht gerade weitläufigen Ort fand ich mich schnell zurecht und hatte kein Problem damit meine Unterkunft zu finden. Auf dem Weg dorthin fielen einem gleich die vielen Läufer(gruppen) auf, die schon die Strecke erkundeten. Das tat ich dann auch noch. Anschließend ging ich noch was Essen, wo ich zwei Hamburger Laufkollegen traf. Es wurde noch ein ganz netter Abend.

Am Sonntag war es dann soweit. Ich fühlte mich gut und war ein kleines bisschen aufgeregt. Eigentlich gut. Ich machte mich fernab des Trubels warm und ging dann zum Start. Ungewöhnlicherweise, zumindest für deutsche Meisterschaften, drängelte keiner. Beim Halben hat man wohl doch genügend Zeit, das Ding gerade zu biegen – und natürlich ist das Anfangstempo nicht ganz so hoch wie bei einem 10er. Und diesmal war es sogar – für die Spitzenläufer – extrem angenehm. Der erste Km in 3:08 Min. Es war noch eine große Gruppe, knapp die Hälfte der 120 Gestarteten, die die Spitzengruppe bildeten – ich mittendrin. Die erste Runde war eine kleine, 2,25 Km lang plus ca. 750m von Start zu Ziel, sodass man bei der zweiten Zielpassage auf 3 Km kam. Es ging immer entlang der Nagold – auf der rechten Seite stadtauswärts auf einem breiten Radweg, auf der linken zurück nach Bad Liebenzell auf einer Bundesstraße. Und es war tatsächlich flach. Nach drei Km war die Spitzengruppe kaum geschrumpft, ich fühlte mich weiterhin gut und lief fast (ich war schneller) in dem Zeitenbereich, den ich mir vorgenommen hatte. Allerdings liefen wir bis hier her sehr ungleichmäßig, was mir nicht so liegt. Nach der Zielpassage, von wo es jetzt auf drei ca. 6 Km lange Runden ging, wurde das Tempo höher. Nun bildeten sich ganz viele kleinere Gruppen. Ich lief zusammen mit dem Remscheider Daniel Schmidt, den ich von den Röntgenläufen in Remscheid kenne. Vorne waren zwei Gruppen weg, wir bildeten zusammen mit paar anderen die dritte. Km 5 passierten wir nach 15:41 Min – das war vielleicht ein bisschen zu schnell für mich, wollte ich doch eher 15-20 Sek langsamer starten. Aber was soll’s, ich machte natürlich so weiter. Daniel und ich bildeten dann ein Duo und holten langsam auf die vordere Gruppe auf. Ich fühlte, dass es schnell war, aber noch ging’s. Wir überholten den ein oder anderen Zurückgefallenen. Der nächste, der aus der vorderen Gruppe hinausfiel, war ein starker Berliner, der in Berlin über 1½ Min vor mir im Ziel war. Also waren wir wirklich gut unterwegs. Bei Km 9 wieder eine Zielpassage und noch zwei Runden zu laufen. 500m später hatten wir den Berliner eingeholt und liefen zu dritt weiter. Nun fing ich an meine Beine zu spüren, die fast schlagartig schwer wurden. Aber noch blieb ich in dieser Gruppe. 31:37 bei Km 10 war schon eine verdammt schnelle Zeit – anscheinend zu schnell für mich, denn nun begann ich bereits um den Anschluss zu kämpfen. Nach 11 Km verlor ich ihn dann und musste alleine weiter. Bis zur nächsten Zielpassage bei Km 15 wurde ich noch nicht von wirklich vielen eingeholt und konnte mich zumindest für mehrere hundert Meter an die Vorbeilaufenden „ranhängen“. Aber ich war platt – die Beine machten einfach nicht mehr mit. Dennoch hatte ich bei Km 15 mit 48:10 Min eine so gute Zeit, wie ich sie noch nicht einmal in einem 15Km-Rennen erreicht hatte und war immer noch 40 Sek schneller als in Berlin, wo ich Bestzeit lief. Aber wenn nix mehr geht, dann läuft’s auch nicht mehr. Und leider war auch der Wille nicht stark genug noch Berge zu versetzen. So holten mich weitere Läufer ein und ich konnte nicht mal mehr mitgehen. Für die nächsten 5Km bis Km 20 sollte ich 17 Min benötigen – einfach nur schlecht.... Als mich dann kurz vor Km 20 ein ganzer Schwung von Läufern überholte (es waren sechs), da packte mich dann aber doch noch mal der Ehrgeiz. So ganz untergehen wollte ich doch nicht – und da die Uhr mir „sagte“, dass, wenn ich so weiter mache, nicht einmal eine Zeit von unter 1:09h herauskommt, musste ich noch eine Schippe drauflegen. Nun hatte ich wieder ein Ziel und war gewillt es zu erreichen. Der letzte Km war dann wieder schnell, ich holte alle sechs wieder ein und das obwohl meine Beine als Gegenspieler agierten. Hätten Sie mitgespielt, vielleicht hätte ich den Sprint gegen den Einen nicht verloren – da konnte ich nämlich nicht mehr gegenhalten. Hohes Tempo konnte ich noch mal gehen, aber sprinten ging einfach nicht mehr. Das ich dadurch nun 21. wurde... ärgerlich. 21. Platz und 1:08:38. Damit habe ich meine beiden Ziele verfehlt und bin deshalb auch nicht zufrieden mit dem Ergebnis und schon gar nicht mit dem Rennverlauf.

Das Rennen ist jetzt abgehakt. Nun geht es weiter – und zwar mit dem Düsseldorf Marathon.

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Kommentare: 1

  • #1

    Suse (Dienstag, 27 April 2010 11:52)

    Trotzdem Glückwunsch zur Superzeit! Denn das ist sie nach wie vor noch!
    Deine Berichte lesen sich extrem spannend, authentisch und einfach gut!
    Lieben Gruß Suse

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