Di

18

Mai

2010

Düsseldorf Marathon

Und ich habe wieder ein neues Stück Rhein für mich entdeckt. Nach Köln, Bonn und dem Mittelrhein (Oberwesel/Koblenz) war nun Düsseldorf die nächste Marathonstation am Rhein. Mit der Hoffnung, dass es ein schneller Marathon mit guter Konkurrenz wird, fuhr ich dahin.

Doch bevor ich gelaufen bin, musste am Samstag natürlich noch die Stadt erkundet werden – irgendwie gibt es zurzeit wenig Läufe ohne Sightseeing vorweg. Doch diesmal war es bissl anders als sonst, denn es war 1. Mai und auf der Kö war entsprechend wenig los. Dagegen waren die Altstadt und die Rheinuferpromenade mit ihren Cafés gut gefüllt. Auch wir nahmen noch an so einem Platz – dazu schien die Sonne und wir blickten auf den Rhein. Es war ein schöner Nachmittag. Gekrönt natürlich durch die Meisterschaftsentscheidung zugunsten des FC Bayern ;-)

So klang der Tag aus und der Marathonsonntag konnte kommen.

An diesem war es bewölkt, wobei es aber nicht kalt war. Eigentlich super Laufwetter. Ich reihte mich am Start ziemlich weit vorne ein – direkt hinter den verpflichteten Läufer/innen und den (kenianischen) Tempomachern. Diese hatten auf ihrem Rücken die HM-Durchgangszeit – das fand ich cool. Doch der Angang war ziemlich flott, sodass die „Frauenhasen“ viel zu schnell waren. Ich hielt mich zurück und lief so erstmal knapp hinter der Frauenspitzengruppe. Ich war genau im Soll, der 1:14:30-Hase dagegen nicht. Nach zwei Km begriff er das auch und ich überholte ihn und die beiden Frauen. Nun lief nur noch die Erste vor mir. Ich lief ca. 10m hinter der Gruppe (drei Männer, eine Frau). Bei Km 5 war ich knapp über 17 Min – diese wollte ich anfangs laufen, also war alles gut. Nun schloss ich auch zur Gruppe auf und ein englischsprechender Mitläufer fragte mich, was ich denn beim Halben durchgehen möchte. Während des Wettkampfes Englisch sprechen – immer mal wieder was Neues, aber es ging ;-) Nach 7,5 Km ließen sie mich ziehen – von hier an sollte ich den Rest des Weges ganz alleine laufen. Leider merkte ich hier schon, dass es zum Schluss schwierig werden könnte, die Beine meldeten sich zu Wort. Es lag weniger am Tempo als an der Vorbelastung, denn das Frühjahr war ja nun doch ziemlich wettkampflastig. Aber egal, noch lief es und ich versuchte es zu genießen. Bei Km 9 ging es über den Rhein und auf die „Kölner Seite“. Auf dem Weg dorthin fuhr ein Veranstalterauto neben mir und die Leute darin feuerten mich an bzw. redeten mir gut zu. Das war nett, denn alle zwei/drei Km wiederholte sich dies. Nach 12Km holte ich dann überraschend den 1:09:30-Hasen ein. Der hatte sich wohl übernommen, denn auf diesem Kurs war ich nicht. Er konnte auch nicht mal mehr einen Kilometer mit mir mithalten... Also ging’s alleine weiter. Bei Km 14 saß Tobias Sauter, einer der hoch gehandelten deutschen Läufer, am Straßenrand. Das motivierte mich, denn ich war mir jetzt erst recht sicher, dass ich – egal wie – durchlaufen werde. Km 15 passierte ich nach 51:00 Min. Ich war voll im Soll und noch rollte es. Bei Km 18 ging es wieder an den letzten langen Anstieg und zwar die Brücke hoch Richtung „richtige“ Seite – die Düsseldorfer. Auf diesem Stück kam mir Angela (aus meinem Verein) entgegen, die an diesem Tage ihren Geburtstag mit einem Marathonlauf feierte. Wie man sieht, war ich nie wirklich alleine, obwohl ich vor, neben und hinter mir niemanden laufen sehen konnte. Aber auch das Publikum war über die ganze Strecke verteilt und machte prima Stimmung. Der Halbe kam näher und näher. Nach 1:11:40 war er dann geschafft. So sollte es auch sein und ich befand mich auf Bestzeitkurs. Dies hielt auch an – aber nur noch bis Km 25. Dann knickte ich ein. Der folgende Km war sooo langsam, dass ich erschrak und doch noch mal Gas gab. Hierbei half mir wieder das gut Zureden aus dem Auto. Allerdings dauerte es bis Km 37 bis das Auto wieder bei mir war. Bei Km 30 war ich immer noch schneller als in Dubai, aber nur noch 10 Sek. Spätestens jetzt war klar, dass es mit einer Bestzeit nix wird. Das ständige alleine laufen war total anstrengend – für Kopf und Beine. Bei Km 32 dann ein erneuter Motivationsschub, der nächste schnelle deutsche Läufer ist ausgestiegen – nun war ich 5. im Gesamtfeld. Vor mir weit und breit nix zu sehen genauso wie nach hinten. Aber zum Glück Zuschauer, sodass man wusste, dass es ein Wettkampf war. Dann fing es auch noch an zu nieseln, zum Glück nur für paar Minuten. Ich erreichte Km 35. Nur noch sieben Kilometer doch die Beine waren jetzt richtig schwer. Ein weiterer kleiner Nieselregenschauer folgte. Und endlich bei Km 37 wieder das Begleitauto. Fast einen Kilometer fuhr es neben mir und da lief es dann auf einmal wieder. Mir fehlte eindeutig die Motivation durch Konkurrenz, dann wär es wohl doch schneller geworden. Na gut, ab Km 38 ging es dann wieder ganz alleine Richtung Ziel – mittlerweile war ich auf einem 2:28h-Kurs. Es folgte die berühmte Königsallee – einmal auf und ab, fast zwei Km. Es hätte schon lange Schluss sein können, so lange so einsam, aber jetzt fehlten nur noch 1,5 Km. Der letzte Km kam und mit ihm ein leichtes Zucken in der rechten Wade. Es drohte ein Krampf. Und das paar hundert Meter vor dem Ziel. An einen Endspurt war nicht mehr zu denken. Ich versuchte nur, das Ziel ohne Krampf zu erreichen. Dabei hätte der Zieleinlauf so schön sein können, denn man lief an die Rheinuferpromenade hinunter und dort war das Ziel. Ich lief nun ganz langsam und vorsichtig bis ins Ziel – und es kam zu keinem Krampf. Immerhin das habe ich geschafft. Mit 2:28:25 bin ich dann auch noch 5. und zweitbester Deutscher geworden. Ein gutes Ende für einen (fast) allein gelaufenen Marathon.

Zudem war es mein zweitschnellster Marathon – ich bin durchaus zufrieden damit. Düsseldorf war schön, doch nun bin ich froh, dass die Strecken wieder kürzer werden.

Kommentar schreiben

Kommentare: 0

  • loading