Sa

14

Aug

2010

Zugspitzbesteigung 2010 :)

In diesem Jahr zog es mich noch einmal zur Zugspitze. Vor zwei Jahren hatte ich es nicht bis oben geschafft und war nur froh, wieder herunter zu sein von dem Berg. Das wollte ich in diesem Jahr gerade biegen. Erst hat der Berg mich in die Knie bezwungen, diesmal sollte es anders herum sein. Relativ gut vorbereitet – zumindest was die Laufbekleidung betrifft – fuhr ich am Freitag nach Ehrwald. Dieser Tag war schon sehr warm, nahezu heiß, mit Temperaturen von 32°. Dennoch habe ich ein erstes kleines Trainingsläufchen gemacht. So bisschen bergan und wieder herunter. Ach, ich fand es schon wieder richtig herrlich in den Bergen zu sein. Und bei den Temperaturen würde der Lauf ja viel besser werden. Am Samstag war es genauso warm und sonnig und ich habe noch mal ordentlich Sonne getankt und paar Höhenmeter gemacht :) Abends dann noch das erfolgreiche Deutschland-Spiel (3:2 gg. Uruguay) geschaut und anschließend ab ins Bett. Dann war Sonntag.

Die erste Frage war, was ziehe ich an. Die Sonne schien schon wieder, kalt war es nicht und nahezu wolkenloser Himmel. Mit den Erfahrungen von meinem vorherigen Zugspitzlauf entschied ich mich für ¾-Hose, Langarmshirt und zur Sicherheit nahm ich dann noch Buff und Handschuhe mit. Ich wollte bloß nicht noch einmal so frieren. Kurz vor dem Start gab es dann noch eine Schweigeminute für die zwei 2008 verstorbenen Bergläufer. So wurde ich noch einmal damit konfrontiert, was mir allerdings leichter fiel als meinen Mitmenschen, denen teilweise Tränen in den Augen standen. Dann ging’s auch schon fast los. Ich entdeckte allerdings noch einen Läufer aus Bargteheide mit dem ich noch ein, zwei Worte wechselte bis der Startschuss fiel.

Anfangs hielt ich mich zurück, obwohl es noch ziemlich flach war. So, die ersten 700m :) ...dann ging’s hoch. Erst lief man aus dem beschaulichen kleinen Ort Ehrwald (1020m) heraus und dann ging es sofort los mit den Anstiegen. Zunächst noch auf geteerter Straße bis hoch zur Ehrwalder Alm (1450m). Der Weg war schon bissl steil, aber ich lief und lief. So sollte es sein. Und ich war am überholen, mir ging’s also gut. Die Wärme machte allerdings schon bisschen zu schaffen, war ich doch zumindest für diese Höhe etwas zu warm angezogen. An der Ehrwalder Alm gab es dann einen Gartenschlauch, der als Dusche fungierte und ich lief auch drunter durch – vor zwei Jahren regnete es und sorgte für das folgende Desaster und in diesem Jahr war es so viel anders. Übrigens war hier auch die erste Verpflegungsstation und man hatte das erste Mal einen richtig schönen Blick auf die Berge rechts und links der Laufstrecke. Nun ging es auf einem Schotterweg weiter und man lief teilw. durch Kuhherden. Hier war es auch erst mal nicht mehr ganz so steil, aber bergan ging es überwiegend schon. Allerdings konnte ich es hier laufen lassen und überholte weiter. Nächster Anlaufpunkt war die Hochfeldern Alm (1732m). Von da an wurde es wieder heftiger mit den Anstiegen und der Weg wurde zu einem schmalen Bergweg. Nun konnte man kaum noch überholen. Aber das war auch egal, ich wollte ja nur oben ankommen... naja in ca. 3h. So langsam kam man auf eine Höhe, wo die Berge auf der rechten Seite teilweise schon gipfelten. Nun begann ich auch mit gehen, es war teilw. zu steil für mich bzw. zu lang am Stück steil bergan. Die Sonne war mittlerweile nicht mehr so mein Problem, obwohl kurze Klamotten vollkommen ausreichend gewesen wären an diesem Tag. Aber daran lag es nicht, dass ich mich ziemlich frühzeitig ermüdet fühlte. Zum Glück war das Brandjoch (2110m) erreicht. Ab hier geht es paar Kilometer mehr oder weniger bergab und wieder an – alles auf einer Höhe zwischen 2000m und 2100m. Allerdings liegt hier so viel Geröll, dass ich damit nicht klar kam. Da laufe ich viel lieber bergan. So ging ich viel auf diesem Abschnitt, weil ich keine Verletzung riskieren wollte. Hier konnte man ziemlich schnell wegknicken und das war es mir nicht wert. So ließ ich den Wagemutigeren den Vortritt und ging weiter. Der Blick schweifte jetzt seltener nach links und rechts, weil man mehr auf den Untergrund achten musste. Dennoch: hatte ich herübergeblickt, dann war es eine wunderschöne Bergwelt, die ich sehen konnte. Den Moment konnte ich allerdings wenig genießen, weil mir irgendwie nicht gut war. Leichtes Schwindelgefühl begleitete mich. An der Knorrhütte (2051m) angekommen, gönnte ich mir eine kleine Erfrischungspause, doch die half nicht viel. Von der Zeit her war ich genau im Plan, doch was dann kam, war zermürbend. Nicht die Strecke, sondern der eigene Körper zeigte mir die Grenzen auf. Auf diesem Abschnitt bis zur Sonnalpin (2570m) war ich vor zwei Jahren in die Kälte hineingelaufen/-gegangen und in diesem Jahr bin ich noch mehr gegangen. Ich habe zwar nicht gefroren, aber der Kreislauf spielte einfach nicht mehr mit. So machte ich einige Pausen bis zu mehr als 5 Minuten Dauer. Mir war einfach nicht gut. Selbst die Wanderer waren jetzt schneller, aber egal. Ich wollte oben ankommen. Doch auch diese Motivation war irgendwann dahin. Ich kann mich noch erinnern, dass ich sagte, ich steige an der Sonnalpin aus. So schlecht fühlte ich mich und ich soll auch sehr blass gewesen sein. Schon wieder schien dieser Berg mich bezwungen zu haben. Doch dann kam ein Wanderer, der mich sitzen sehen hat und fragte, ob ich was zu trinken bräuchte. Dieses Angebot konnte ich nicht mehr ausschlagen, war mein Wasser doch schon fast wieder aufgebraucht. Also trank ich erst in aller Ruhe einen Tee. Anschließend ein Schluck Wasser und dann Cola. Und die Cola war gut. Sie pushte mich ein wenig auf und ich bin tatsächlich wieder ein paar Schritte gelaufen. Jedenfalls ging es mir bissl besser und die letzten Meter bis zur Sonnalpin, durch die Schneefelder hindurch, waren zwar mühselig, aber es ging besser als am Anfang dieses Abschnittes. An der Sonnalpin angekommen, entschied ich mich weiterzumachen. Jetzt wollte ich es doch wieder schaffen. „Mein Verpflegungswanderer“ kam kurz nach mir an und ich fragte ihn, ob er noch ein bissl Cola hätte. Und er hatte. Ich konnte ihm gar nicht genug danken, er hat mir sehr geholfen. Dann ging’s auf die letzten 1,3 Km und rd. 400 Hm. Ich wusste, dass es eine Kletterpartie werden würde, bin ich im Vorjahr dieses Stück schon einmal gewandert. Die Cola half natürlich nur auf den ersten Metern. Dann folgten immer wieder kurze Pausen. Zudem fing ich langsam an zu verkrampfen bei dem ganzen Geklettere. U.a. der eine Oberschenkel aus dem ich mich immer hochdrückte, krampfte ab und zu. An einem Stück, man konnte ja kaum überholen (und wenn, dann hab ich natürlich immer brav Platz gemacht), bekam ich ausgerechnet beim Hochziehen einen Krampf und musste sofort stehen bleiben. Hinter mir stauten sich 5/6 Mitläufer, die aber vollstes Verständnis hatten und warteten. An der nächsten Ecke ließ ich sie vorbei. Ich saß dann noch ein-/zweimal und schaute mir das Bergpanorama an. Dann war das Ziel auf der Zugspitze fast erreicht. Der Zielbogen war nur noch paar Meter entfernt – und ich musste noch einmal kurz stehen bleiben. Schon wieder ein Krampf, der Bergangehen nicht zuließ. Doch auch diese letzten Meter schaffte ich und kam nach 3:57h im Ziel auf der Zugspitze an. Ich war richtig enttäuscht und fertig und konnte das kaum verbergen. Das war nicht das, was ich mir vorgestellt hatte.

Zum persönlichen Abschluss ging es noch zum Gipfelkreuz hoch. Wenn schon oben, dann ganz oben. Ein, zwei Bilder und anschließend ging es zum Duschen nach Ehrwald.

So fasse ich zusammen: Zugspitze 2008: sehr kalt, Unterkühlung, Ausstieg ; Zugspitze 2010: sehr warm, Kreislaufprobleme und Krämpfe, angekommen, aber enttäuscht.

...wer weiß, vielleicht werde ich noch einmal diesen Berglauf in Angriff nehmen...

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