Fr
31
Dez
2010
Herbstläufe (u.a. Berlin Marathon und Röntgenlauf)
Alsterlauf Hamburg
Eine Woche nach den 10000m auf der Bahn (s. letzter Bericht) wollte ich beim Alsterlauf in Hamburg eine gute Zeit hinlegen und damit noch die Saisonbestleistung aus Rostock (31:40) unterbieten. Doch das Rennen in Hamburg ging richtig in die Hose. Wurde ich am Start bereits als bester deutscher Teilnehmer bezeichnet, so war selbst dies nicht realisierbar. Es war nicht mein Tag, ich war nach 3 Km schon so platt, dass der Restweg nur noch lästig war. 32:56 Min sprachen eine deutliche Sprache. Damit waren nicht nur die ersten Frauen vor mir im Ziel, sondern auch der ein oder andere deutsche Läufer. Es war sowohl vom Ergebnis als auch vom (Lauf-)Gefühl einfach ein Tag zum Vergessen. Und das zwei Wochen vor dem Berlin Marathon...
Feuerwehrlauf Travemünde
Für Berlin fehlten mir aufgrund meiner Verletzung im Juli/August viele Trainingskilometer und lange Läufe. Eine Woche vor Berlin war noch der Feuerwehrlauf in Travemünde – eine kleine nette Veranstaltung mit super Strecke. An diesem Lauf nahm ich teil – nachdem ich bereits von zuhause aus nach Travemünde gelaufen war. So hatte ich am Start schon rund 16 Km in den Beinen und es sollten 10 etwas schnellere folgen. Immerhin noch ein langer Lauf vor Berlin. Trotz der Vorbelastung lief ich ziemlich rund und erkannte, dass die Form so langsam wieder kommt. Mit einer 33:03 Min war ich nur paar Sek langsamer als eine Woche zuvor und das obwohl die Strecke über das Brodtener Ufer anspruchsvoller war und ich vorbelastet an den Start ging. Dass ich gewonnen hatte, trug natürlich auch ein bissl zur „Hochstimmung“ bei ;) Berlin konnte kommen...
Berlin Marathon – oder: Berliner Wasserspiele, Disziplin: Pfützentreten
Im Frühjahr hatte ich mir von Berlin mehr erhofft, nun ging ich an den Start mit der Zielsetzung gut durchzukommen und evtl. unter 2:30h zu bleiben. Das Training passte einfach nicht. Aber mir ging’s nun gut und ich freute mich schon auf einen der größten und den schnellsten Marathon der Welt. Jahrelang (fast Jahrzehnte) war immer gutes/supergutes Wetter gewesen. In diesem Jahr natürlich nicht. Viele haben mir vorher gesagt wie schön es in Berlin ist und dass ich es nie vergessen werde. Und zumindest in dem einen Punkt haben sie recht... ich werde es nie vergessen, was für ein schreckliches Wetter man 42,195 Km haben kann. Um die 10°C und stundenlanger Dauerregen. Alles war nass – bereits vor dem Start. Auf den ersten Kilometer hing dann auch meine Startnummer auf halb Acht – doch ich hatte keine Chance mehr sie zurecht zu rücken. Ansonsten lief es wie von mir erwartet. Am Anfang war ich noch recht flott und hatte eine gute Gruppe gefunden – bis ich in die Büsche musste. Just in dem Moment überholte mich die Frauenspitze. Ich trottete nun alleine weiter (na, so alleine ist man in Berlin ja nicht – trotz des Wetters waren viele Zuschauer da, u.a. meine „Anfeuerer“) und erreichte nach 1:12:29 die Halbmarathonmarke. Bis dahin lief es also sehr gut. Doch die Beine wurden schwerer und kälter und so wurden die Zwischenzeiten langsamer. Der ein oder andere überholte mich, so wie u.a. Sabrina Mockenhaupt. Ich konnte nicht mehr folgen bzw. wollte ich das Rennen gut beenden. Gut hieß, von dort an konstant durchzulaufen, was mir auch gelang. Ich war zwischen Km 35 und 40 genauso schnell wie zwischen 25 und 30. Mehr war einfach nicht drin und dass ich nicht komplett eingebrochen bin, das machte mich doch sehr zufrieden. Und wär ich nicht pinkeln gewesen, hätte ich die 2:30h geknackt... aber so sprangen 2:30:27 heraus, was ja auch nicht so schlecht ist :) Somit konnte und kann ich mit meiner Leistung zufrieden sein – im Gegensatz zum Wetter. Ich hätte nie gedacht, dass ich mal an irgendwelchen Wasserspielen teilnehmen werde, aber da wusste ich noch nicht, dass Pfützentreten dazugehört...
Harzgebirgslauf in Wernigerode
Zwei Wochen nach Berlin ging’s schon wieder weiter. Die Vorbereitung für den Röntgenlauf in Remscheid lief auf Hochtouren. Es mussten also paar Hügel her. Da war der Harz ja nicht so weit weg. Also auf nach Wernigerode um 22 Km zu trainieren. Waren die ersten Km noch schwerfällig im hügeligen Gelände, so wurde es von Km zu Km besser. Nach 5 Km war ich bereits alleine in Front und hatte nur noch eine ganz heftige Steigung bei Km 9 vor mir. Die 2 Km Anstieg bewältigte ich auch ganz gut und lief so dem Sieg entgegen. Auf den letzten Kilometern konnte ich es dann nicht mehr verspielen, denn es ging nur noch bergab. Im Ziel war ich allerdings doch ziemlich erschöpft... na ja, Berlin war halt noch nicht ganz „verdaut“. Aber ich freute mich nun noch mehr auf Remscheid, denn die Aussicht auf der Strecke und die An- und Abstiege machten Lust auf mehr.
Halbmarathon und Staffel in Lübeck
Zwei Wochen nach dem Harz und eine Woche vor dem Marathon in Remscheid stand noch das Heimrennen auf dem Programm. Wie im vergangenen Jahr lief ich erst den Halbmarathon und anschließend Staffel – doch dieses Jahr doppelt (Staffel).
Der Tag begann wie in Berlin – mit viel Regen. Ich war froh, dass ich nur die Hälfte der Strecke laufen musste, obwohl mir das jetzt ja eigentlich nix mehr ausmachen sollte ;) Im Vergleich war es in Lübeck aber bissl böiger und damit unangenehmer. Die Halbmarathonstrecke, eine Wendepunktstrecke, war zunächst aber freundlich zu laufen – denn wir hatten Rückenwind. Es ging schnell los und das mit Konkurrenz. Jeder erwartete, dass ich souverän gewinne (ehrlich gesagt, tat ich das auch), doch dem war nicht so. Dirk Schwarzbach aus Kirchdorf, ein Läufer meines Kalibers, war mit dabei und so wurde es ein richtiger Kampf. Im Herrentunnel (ca. Km 7) setzte ich mich beim bergab laufen leicht ab und gab die Führung bis zur Wende nicht mehr her. Doch ich hatte max. 50m Vorsprung. Von nun an ging es gegen den Wind, aber es regnete nicht mehr. Ich war trotzdem sehr froh, als ich wieder im Tunnel war, denn dort war es windstill. Und dort machten die entgegen kommenden Läufer durch ihren Applaus und dem Gejohle ordentlich Lärm, sodass ich eine Gänsehaut bekam. Das war so schön und motivierend, dass ich nun den nötigen Kampfgeist mit auf den Weg bekam, den ich auch benötigte. Denn sofort als ich aus dem Tunnel heraus kam, dachte ich, ich stehe. Der Wind war so heftig. Zum Glück ging es den anderen nicht anders. Nach 1:11:07 erreichte ich das Ziel – als Erster. Das Hauptziel an diesem Tag war somit erfüllt.
Das Nebenziel hieß Staffelsieg mit dem Race Team Mauritz (Intersport). Als ich im Halbmarathonziel war, war die Staffel (10x 4,2 Km) schon im vollen Gange. Dennoch hatte ich bissl Zeit, mich zu erholen, denn ich sollte Schlussläufer sein. So erkundigte ich mich über die Zwischenstände und je näher es zum Ende ging, desto größer wurde der Rückstand zur erstplatzierten Staffel. Als der neunte Läufer unterwegs war, war bereits klar, dass es „nur noch“ um Platz zwei ging – und der war noch hart umkämpft. Ich stellte mich also in die Wechselzone, bereit um Platz 2 zu sichern... doch irgendwas stimmte nicht. Mir fiel es auf: ich hatte meine Startnummer beim Umkleiden vergessen. Ein Teambetreuer rannte sofort los um meine Nummer zu holen... paar Sek später war auch schon mein Staffelkollege am Horizont zu erahnen. Ich benötigte die Nummer unbedingt, weil dort der Chip zur Zeitmessung integriert war, doch von dem Betreuer war noch nix zu sehen. Mein Notfallplan lautete, Staffelholz entgegen nehmen, auf die Nummer warten und los... das Problem an der Sache war, dass die drittplatzierte Staffel zeitgleich mit uns wechselte. Aber es half ja nicht. So nahm ich den Staffelstab entgegen und zum Glück war auch meine Nummer da. Ich streifte mir das Startnummernband über und lief los – mit nun ca. 150m Rückstand auf die Gegner-Staffel. Nach ca. 1Km war der Vorsprung egalisiert und ich lief den zweiten Platz souverän nach Hause. Zum Glück ging es nicht mehr um den Sieg, weil dann hätten sie mich gesteinigt :)
Anschließend hatte ich noch einen Staffeleinsatz in der Staffel meines Arbeitgebers. Hier wurde wirklich nur aus Jux und Tollerei gelaufen, aber ich habe gelernt und meine Startnummer vor dem Start am Mann gehabt. Hier war für mich nur noch lockeres Auslaufen angesagt.
Nach dem letzten Staffeleinsatz war ich dann aber auch froh, dass der Lauftag zu Ende war. Das hatte paar Körner gekostet, aber es war auch ein erfolgreicher, aufregender und spaßiger Tag gewesen.
Röntgenlauf Remscheid
Es ist und bleibt mein Lieblings-Landschaftslauf, auch wenn es so losging wie in Berlin. Irgendwie muss ich den Wettergott verärgert haben, im Herbst gab es (fast) nur noch Regenläufe. Aber in Remscheid ist das egal. Die Hügel des Bergischen Landes und die farbenfrohen Bäume lassen das Wetter in den Hintergrund rücken. In diesem Jahr wollte ich zum ersten Mal (zumindest offiziell) den Marathon in Angriff nehmen, nachdem ich schon fünf Mal den Halben gelaufen bin. Die erste Hälfte war mir somit bekannt, hier gab es aufgrund der Regenfälle einige Passagen, die sehr glatt waren. Ansonsten viel Auf und Ab und eine traumhafte Herbstlandschaft. Mir ging’s gut, es lief rund und ich freute mich einfach dort zu sein. Die erste Hälfte war nach 1:16:25 geschafft – das ist meine zweitschnellste HM-Zeit beim Röntgenlauf. Ich war also flott. Die zweite Hälfte sollte schwieriger und anstrengender sein – das haben mir sowohl die „Einheimischen“ als auch mein Vater erzählt. Und meiner Meinung nach haben sie recht, auch wenn eine einzige Person behauptet, es gehe die ganze Zeit nur bergab :) Der Höhepunkt ist bei Km 27 eine Serpentinen-Steigung, die es in sich hat. Das war kräftezehrend, aber ich wollte alles laufen und so quälte ich mich auch da hinauf. Die restlichen 15 Km ging’s weiterhin auf und ab und auch wenn ich langsamer wurde, so lief ich immer mehr meinem ersten Marathonsieg entgegen, denn ich führte die Marathonwertung bereits seit dem ersten Km an. Es konnte eigentlich nix mehr schief gehen und doch wär es fast passiert. 1,5 Km vor dem Ziel ging es in eine scharfe Rechtskurve, wo ich auf ein glitschiges Blatt getreten sein muss. Jedenfalls schlug ich lang hin. Zum Glück tat ich mir kaum weh. Schürfwunden zeichneten meine rechte Seite und ein aufgerissener Handschuh, aber das war es auch. Ich rappelte mich schnell wieder auf und lief nach 2:44h mit Streckenrekord durch das Ziel. Damit hat mir die 13 Glück gebracht, denn es war mein 13. Marathon und mein erster Sieg. Aber egal, wie es in Remscheid ausgeht – ich komme gerne wieder.
Staffel-Marathon Berlin
5 Leute, insg. 42,195 Km. Aufgeteilt in Strecken von 12,195 Km, 2x 5Km und 2x 10Km. Ich wurde eingeladen in der LG Buchsbaum Staffel zu starten, zusammen mit dem Kieler Volker Goineau und drei aus dem Berliner Umfeld stammenden, schnellen Läufern. Ziel war es unter die ersten drei zu kommen, evtl. um den Sieg mitlaufen. In den letzten Jahren musste die Staffel eine Zeit von 2:20h oder darunter hinlegen, woran man schon erkennen kann, dass dies ein schneller, gut besetzter Wettbewerb ist. Ich sollte in unserer Staffel den Startläufer geben und die 12,195 Km laufen. Gegen starke Konkurrenz konnte ich mich nicht durchsetzen, was auch daran lag, dass ich gerade mitten in der Trainingspause war. Aber das soll keine Ausrede sein, ich wär wahrscheinlich auch so nicht an den anderen vorbei gekommen. Jedenfalls hielt ich den Rückstand in Grenzen und wechselte als Vierter. Je länger der Wettbewerb ging, desto näher kam unsere Staffel den Führenden. Einen Km vor dem Ziel war es dann soweit, unser Schlussläufer ging in Führung und wir gewannen in einer schönen Zeit von 2:16:50. Die ersten drei Staffeln trennten nicht einmal eine Minute! Es war ein spannender Wettkampf auf dem ehemaligen Flughafen Tempelhof.
Adventslauf Ratzeburg
Die Trainingspause ist beendet. Mit Ratzeburg wurde die neue Saison eingeleitet. Minus 2°C, Sonnenschein, das Wetter konnte nicht besser sein. Es ging wie jedes Jahr um den Ratzeburger See. 26 Km, mal mehr, mal weniger hügelig, auf jeden Fall abwechslungsreich. Ich musste wie im letzten Jahr einsam meine Runde drehen... aber man gewöhnt sich dran. Nach 1:29:04 war der „Spaß“ auch schon wieder vorbei. Damit war ich 40 Sek schneller als im Vorjahr. Vielleicht ist das ja ein gutes Omen für die neue Saison!?
Dennis Mehlfeld

