Sa

19

Feb

2011

Thermenmarathon in Bad Füssing

Bad Füssing. Wenn man aus Lübeck kommt, ist es schon eine Weltreise dorthin. Nahe Passau an der österreichischen Grenze gelegen, ca. 900 Km weit weg. Aber was mache ich nicht alles, um da zu laufen, wo ich laufen möchte ;) Also ging es am Freitag mit’m Auto los, Angela wollte auch Marathon laufen und war mit an Bord. Wir fuhren am Freitag zunächst nach Berlin und am Samstag weiter Richtung Süden. Zwei Etappen: eine drei- und eine sechsstündige, aber das war noch voll und ganz iO. Wir kamen gegen 15.30h in Bad Füssing an und ich war baff und traute meinen Augen nicht. Hatten wir uns verfahren? Konnte eigentlich nicht sein. Weit und breit kein einziger Berg, geschweige denn ein Hügel. Man konnte nicht einmal etwas ähnliches sehen. Flaches Land wie in Ostfriesland! Ich wusste nicht, dass es so etwas in Bayern gibt.

Auch das Wetter war besonders. Besonders schön. Die Sonne schien bei nahezu wolkenlosem Himmel. Die Felder waren noch mit einer leichten Schneeschicht überzogen – bei 10°C Plus. Ach, wie herrlich. Nachdem die Unterkunft bezogen wurde, ging es schnell noch die Startunterlagen abholen und dann ging ich noch auf eine kleine Erkundungslauftour durch Bad Füssing. Der Ort ist nicht wirklich groß und nicht wirklich historisch. Sondern sehr modern. Im letzten Jahrhundert wurde zufällig entdeckt, dass das Wasser unter Bad Füssing schwefelhaltiges Therminalwasser war. Besonders gut und wohltuend für den Menschen. In Folge dessen entstand der Kurort und mit ihm drei große Thermen. So bekam der Marathon auch seinen Namen Thermenmarathon. Start, Ziel, Startunterlagen – alles am oder im Johannesbad, für das man mit der Anmeldung auch gleich drei freie Eintritte bekam. Einen für Samstag und zwei für Sonntag.

Nach meinem Trainingsläufchen ging ich aber nicht mehr schwimmen, sondern nur noch zur Pasta-Party, die, inkl. Getränke, auch im Startgeld inbegriffen war. Anschließend wurde noch bissl entspannt und dann ging es ins Bett, denn es stand ein langer, langer Trainingslauf auf dem morgigen Programm.

 

* * *

Der Morgen begann wie immer – mit Frühstück. Allerdings war etwas anders als sonst. Bei nahezu allen Läufen folgt anschließend eine Anreise zum Start, selbst wenn man schon in der Stadt ist. Doch die Unterkunft in Bad Füssing war nur rund 500m vom Johannesbad entfernt, sodass ich beschloss erst 10 Minuten vor dem Start loszugehen. Also blieb nach dem Frühstück Zeit für einen kleinen Spaziergang an der frischen Luft. Und die Luft war wirklich frisch und kühl. In der Nacht muss es ziemlich kalt geworden sein, die Straße vor der Tür – übrigens auch Laufstrecke – war bissl glatt. Doch da die Sonne schon wieder schien und wieder mind. 10° angekündigt waren, war zu erwarten, dass die Straßenverhältnisse sich bessern würden.

Der Marathon kam näher und näher. 09.45h verließen wir die Unterkunft, um zum Start zu traben. Noch eine Viertelstunde – wir waren dementsprechend viel zu früh da ;)

Ich stellte mich diesmal nicht ganz vorne hin, sondern irgendwo ins erste Viertel. Wir ca. 250 Marathonis starteten gemeinsam mit den rund 850 Halbmarathonis. Der Kurs war für beide der selbe, nur wir mussten ihn zweimal laufen ;) So war mir klar, dass es relativ flott losgehen würde und ich mich zurückhalten müsste. Und so war es dann auch. Punkt 10 Uhr erfolgte der Start und die Ersten rannten los. Ich wollte die erste Hälfte ungefähr in einem 4er-Schnitt durchlaufen. Nach einem Km durch Bad Füssing zeigte mir die Uhr: 4:01 Min. Perfekt, ich hatte mein Tempo gefunden. Die Kontrolle bei Km 2: 8:00 Min. Nun lief ich bis Km 5 weiter ohne auf die Uhr zu schauen, weil ich ja gut dabei war. So konnte ich mich bissl auf die Strecke fokussieren. Wie anfangs erwähnt – es war so flach wie in Ostfriesland. Doch als ich das dachte, kam eine Bundesstraßen-Unterführung. Immerhin ein kleiner Anstieg. Hier verließ man dann auch Bad Füssing und es ging auf kleinen Straßen zwischen weiten Feldern weiter. Von nun an war die Strecke vollkommen flach. Und es wehte ein leichter Wind, der, wenn er von vorne kam, irgendwie doch etwas kräftiger war. Aber auf der ersten Runde konnte ich mich ja noch hinter den vielen Mitläufern verstecken. So bin ich immer wieder in Gruppen gelaufen. Km 5 kam in der Nähe eines Golfplatzes, an dem wir vorbeiliefen. Die Uhr signalisierte: 19:35 Min. Oops. Wieso das? Ich merkte gar nicht, dass das Tempo schneller geworden war. Es fühlte sich halt alles wie ein Trainingslauf an... Ich blieb erstmal in der Gruppe, mir schien das so iO. Wir erreichten und durchquerten den ersten Ort: Kirchham. Hier gab es die erste Verpflegung: Wasser, Tee, Iso, Riegel und Bananen. Das war das Angebot an allen Stationen. Für so einen „kleinen“ Marathon schon sehr gut, auch wenn ich das meiste davon gar nicht benötige ;) Als wir durch Kirchham liefen, machte ich mir zur Aufgabe alle durchquerten Orte im Ziel noch namentlich benennen zu können. Sozusagen als Beweis dafür, dass es doch nur ein Trainingslauf war. Im richtigen Wettkampf könnte ich das nicht. Doch v.a. hier auf der ersten Runde hatte ich ja Ruhe und Zeit mir alles zu merken :)

Mittlerweile war Km 8 erreicht und ich musste mal in die Büsche. Somit fiel ich aus meiner Gruppe heraus und musste anschließend versuchen den Rückstand wieder aufzuholen. Kurz nach Km 9 ging es an einem Waldrand entlang und hier war die Straße noch glatt – so wie am Morgen in Bad Füssing. Da war also erstmal vorsichtiges Laufen angesagt, dennoch kam ich meiner Gruppe immer näher. Es war jetzt nicht übertrieben schnell, aber schneller als vorher. Dennoch eine herbe Enttäuschung bei Km 10 ;) 40:51 Min! Wie lange hatte ich denn gepinkelt? Oder wurden wir in der Gruppe immer langsamer? Ich tendierte eher zum Zweiten... Kurz danach überholte ich einen Bayern, der mich in seiner Sprache fragte, ob ich nun „ausgepinkelt“ hätte... ich bejahte mit einem „es läuft sich jetzt viel befreiender“ und ließ ihn hinter mir :) Ich nahm eine Gruppe vor mir ins Visier, in die ich stoßen wollte. In Aigen am Inn hatte ich sie dann eingeholt und kurz vor Irching abgehängt. Bei Km 15 der Blick auf die Uhr: 1h 02 Sek. Ich war wieder voll im Soll. Es kam wieder eine 500m-Passage am Waldrand entlang und auch hier war es ziemlich glatt und das, obwohl es mittlerweile schön mild geworden war. Bei Km 16 war dann zur Abwechslung mal wieder ein minimaler Anstieg von 50m Länge und max. 2 Höhenmeter ;) Gerade deshalb war es für meinen Marathon nicht so schwer die angepeilten Zeiten zu laufen. Es ging so einfach, ich fühlte mich richtig wohl und je näher es zum Halbmarathonziel ging, desto „lustiger“ wurde es. Die Halben waren voll am Kämpfen und ich schaute mir ganz entspannt die Gegend an :) Zur Abwechslung kam noch eine Unterführung kurz nach dem Ort Egglfing und dann war man zurück in Bad Füssing. 500m vor Ende der ersten Runde ging es an meiner Unterkunft vorbei, aber ich wollte gar nicht aufhören zu laufen. Also ging es weiter zum Johannesbad, wo die meisten meiner Mitläufer ihr Ziel erreicht hatten. Für mich ging es nach 1:23:07 auf die zweite Runde. Wie man sieht, war ich deutlich unter 4 Min/Km geblieben. Den Schwung nutzte ich für die zweite Runde. Ich hatte geplant diese schneller zu laufen so zwischen 1:20h und 1:22h. Das war auch bitter nötig, denn so eine „langsame“ Runde war ja schon fast langweilig ;) Im Gegensatz dazu wurde die zweite Runde kurzweiliger, auch wenn ich hier nur noch alleine lief. Ich hatte beim Durchlauf gesehen, dass zwei Läufer rund 250m vor mir waren. Mein Ziel war es die beiden einzusammeln. Es ging wieder aus Bad Füssing heraus und bei Km 24 hatte ich den einen, paar hundert Meter weiter den anderen eingeholt. Auf der weit einsichtigen Strecke konnte ich in weiter Ferne das nächste „Opfer“ erspähen. Ich wusste nicht, wievielter ich war, das hätte ich schon gerne gewusst. Doch immer wenn man es hören möchte, dann sagt keiner der Zuschauer etwas. Sonst ist es immer umgekehrt. Na gut, ich führte nicht. So viel war klar. Bei Km 29 holte ich den vor mir Laufenden ein und machte mich auf die Suche nach dem nächsten. Nach ein, zwei Kurven konnte ich ihn auch sehen – er hatte wahnsinnig viel Vorsprung. Aber ich war gut dabei. Meine 5-Km-Abschnitte pendelten sich bei 18:30 Min ein und ich holte auf. Es lief jetzt natürlich nicht mehr ganz so einfach wie auf der ersten Runde (ich lief jetzt ja auch mehr im Wind), aber ich hatte auch nicht gedacht, dass ich ganz ohne Anstrengung einen Marathon durchlaufe. Selbst lange Trainingsläufe zuhause sind anstrengend. Doch ich fühlte mich immer noch gut und die Beine machten mit, sodass ich ziemlich gut durchkam. Bei Km 35 – ich hatte ihn immer noch nicht eingeholt – sah ich mit rund 1 Km Vorsprung das Führungsfahrzeug und dahinter den Führenden. Der Zweite war ca. 200m dahinter, der Dritte rund 700m – also 300m vor mir. Somit wusste ich jetzt, dass ich Vierter war. Aber Platz Drei war durchaus im Bereich des Möglichen, da ich ja ohnehin aufholte. Kurz nach Km 37 war es dann soweit, ich hatte den Dritten eingeholt und kurz vor Km 38 dann abgeschüttelt. Nun war ich zufrieden, nur noch vier Km durchhalten. Der Zweite schien zu weit weg, auch wenn ich weiterhin aufholte. 2 Km vor dem Ziel war der Abstand zwar noch groß, aber er schrumpfte zusehends. Hatte ich doch noch die Möglichkeit Zweiter zu werden? Ich wollte nicht zu viel Kraft investieren, dafür war es mir nicht wichtig genug, aber ein bissl was ging noch. Noch ein Km zu laufen, ich kam immer näher. Doch es reichte nicht ganz. Mit sieben Sekunden Rückstand lief ich auf Platz Drei ein.

Meine Zielzeit von 2:41:18 ist für einen Trainingsmarathon natürlich top, genauso wie eine zweite Hälfte in 1:18:11. Damit bin ich natürlich super zufrieden und ich denke mit noch ein wenig Training könnte Rotterdam im April ganz gut werden. Fit bin ich auf jeden Fall.

 

Nach dem Lauf ging ich dann in meiner Unterkunft duschen, wartete auf Angela, die auch einen persönlich guten Marathon lief und anschließend ging es zur Siegerehrung. Danach durfte sich dann im warmen Thermalbad erholt werden – unter freiem Himmel bei strahlendem Sonnenschein, 10°C und einer Wassertemperatur von 35°.... ach, war das herrlich.

Übrigens: im heimischen Norden hat es das ganze Wochenende über geregnet... :)

 

Nach dem Erholungsbad verabschiedete sich die Sonne mit einem wunderschönen Sonnenuntergang. Ein perfekter Abschluss für einen nahezu perfekten Tag!

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