"Hopp Dennis!" - Zürich Marathon 2009

Warum nicht Hamburg? Diese Frage stellte mir eigentlich jeder. So eine richtige Antwort darauf habe ich auch nicht geben können, zumal Hamburg eine schnelle, teilweise schöne Strecke und viele Zuschauer vorzuweisen hat. ABER: ich bin dort schon gelaufen und es gibt so viele interessante Frühjahrsmarathons, die ich je nach Möglichkeit auch gerne bestreiten möchte. Das soll nicht heißen, dass ich Hamburg nie wieder laufe (vielleicht nächstes Jahr?), aber in diesem Jahr war eben Zürich dran. Zürich warb mit einer einmaligen Streckenführung – 2x 4Km durch den Uetliberg(-autobahn-)tunnel. Das hatte es mir angetan, sodass der Elbtunnelmarathon im Januar als Tunnel-Training mitgenommen wurde ;-)

Zudem ist meine Lieblingszahl die 7. Und da mein 7. Marathon etwas Besonderes werden sollte, entschied ich mich für den Zürich Marathon. Wie ich vor Ort erst realisierte, war es zufälligerweise auch der 7. Zürich Marathon. Eigentlich konnte da gar nichts schief gehen.

Und so war es dann auch, obwohl ich am Samstagabend vor dem Lauf schon gedacht habe, ob das gut gehen kann, nachdem ich 4 1/2h durch die Stadt gegangen bin und fast 3h beim Eishockey gestanden habe. Aber am Sonntagmorgen war davon nichts mehr zu spüren.

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Als ich um 06.30h zum Frühstücken ging, liefen in der Jugendherberge schon einige Läufer/innen aufgeregt und umgezogen (zwei Stunden vor’m Start!) umher bzw. verließen schon das Haus. Unfassbar, dass die anscheinend bis zum Start frieren wollten. Ich frühstückte in aller Ruhe und machte mich dann entspannt auf den Weg zur Kleiderabgabe in Startnähe. Dort sah ich mir den Trubel erst einmal weiter an, bevor ich mich dann auch in Wettkampfkleidung und -stimmung brachte. Ich freute mich auf das, was bevorstand. Nach kurzem Spaziergang vom Kleiderdepot über die Autobahn zum Tunneleingang, erwärmte ich mich kurz (es war ja noch frisch draußen) und dann ging’s pünktlich um 08.30h los – ab in den Tunnel. Die ersten 4,5 Km sollten ganz leicht bergauf gehen, was kein Problem war. Ich lief erst einmal mit der Frauen-Spitzengruppe, ehe sich dort ein kleines Loch auftat zwischen der Erst- und den dahinter Platzierten. Ich schloss zur ersten Frau und der achtköpfigen Männergruppe auf und lief einfach mit. Als nach knapp 4 Km wieder Licht am Ende des Tunnels zu sehen war, gab’s die erste Getränkestation und den Wendepunkt. Es ging wieder in dieselbe Röhre den Massen entgegen. Und das war einfach nur geil! Wir hatten den Fahrradfahrer für die erste Frau dabei, was allen mit einem großen Schild signalisiert wurde. Und so kam es, dass die Marathonläufer/innen, die uns entgegenkamen, uns (naja, eigentlich eher die erste Frau) mit überschwänglichem Gejohle und Geklatsche anfeuerten. Im Tunnel war ordentlich Stimmung! Zudem ging’s ja leicht bergab und wir waren auf dem Abschnitt ziemlich flott unterwegs. Nach 9 Km ging’s dann nach draußen und es war gar nicht mehr so kühl. Nun lief man Richtung City. Unsere Gruppe hatte sich auf sechs Läufer und die Äthiopierin reduziert, ich bestimmte das Tempo mit. Wir liefen gleichmäßig, dennoch fiel hinten immer mal wieder einer weg.

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In der City sowie in den Gemeinden war gute Stimmung. Von nun an hatte man auch immer wieder freien Blick auf den Zürichsee und die schneebedeckten Gipfel im Hintergrund. Wunderschön! Man kam auch an einigen Sehenswürdigkeiten vorbei, aber die hatte ich mir ja Samstag schon angesehen ;-) Man lief nun auf der Hauptstraße am Zürichsee in Richtung der Gemeinde Meilen, wo bei Km 27 Wendepunkt sein sollte. Der Streckenverlauf war für Schweizer Verhältnisse flach, aber mit einigen Wellen versehen.

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Der Rennverlauf war mittlerweile eigenartig. Obwohl wir nicht schneller geworden sind, hat sich unsere Gruppe auf mich und einen anderen Deutschen sowie auf die Äthiopierin reduziert. Ab und zu kam noch der Kameramann auf dem Motorrad hinzu J

Bei Km 19 musste die Erste abreißen lassen, damit waren wir auch die Kamera los.

Den ersten Halbmarathon liefen wir in 1:15:05. Dafür, dass ich ja „nur“ unter 2:35h bleiben wollte, war das ganz ordentlich. Insgeheim hatte ich schon auf eine 2:32h spekuliert, nun war sogar kurz der Gedanke an die 2:30h gekommen, aber das würde sehr schwer werden. Also verflog dieser Gedanke und ich lief einfach weiter – nach Gefühl. Mein Ziel war es den vor uns Laufenden einzuholen. Der hatte noch so ungefähr 75 Meter Vorsprung. Ich setzte mich von meinem uhrlosen (er fragte immer nach den Zwischenzeiten...) Mitläufer ab um den nächsten einzufangen. Allerdings dauerte dies. Kurz vor dem Wendepunkt, war ich auf 10 Meter heran gelaufen. Dann kam die Wende mit einem kurzen, knackigen und v.a. unerwarteten Anstieg und ich verlor wieder ein paar Meter. Beim Hügelablaufen (war ja kein BergJ) holte ich ihn bei Km 28, sieben Kilometer nach Beginn der Verfolgungsjagd, endlich ein. Deshalb habe ich mich erst einmal in seinem Windschatten „erholt“. Auf dem Rückweg begleitete uns nämlich ganz leichter Gegenwind. Zwei Kilometer später schloss dann auch der andere Deutsche auf und wir liefen gut zusammen. Wir wechselten uns in der Führungsarbeit ab und es lief richtig gut, v.a. hinten im Windschatten ;-) So war es richtig kurzweilig geworden und irgendwie waren wir schon bei Km 40. Klar, hat man die Beine schon gespürt gehabt, aber bei so einer funktionierenden Kleingruppe, musste man unbedingt dabei bleiben. Aber jetzt entschied der Ehrgeiz, der bei meinen beiden Mitläufern anscheinend größer war. Jedenfalls habe ich es versäumt zu „beißen“, was in Hinblick auf meine Endzeit eigentlich ärgerlich ist, weil ich einfach nur Zeit verschenkt habe. Der letzte Km ist ja nicht das Problem gewesen. So kam ich nach 2:32:04 ins Ziel, wobei unter 2:32h durchaus möglich war. Trotzdem war ich glücklich über das Erreichte. Die erste Frau kam direkt nach mir ins Ziel, es war nicht die Äthiopierin, sondern eine Russin. Wie man sieht war es ein international besetztes Feld, bei dem ich 26. im Gesamtklassement wurde. Alles in allem war es ein richtig guter (auch organisatorisch guter) und schöner Marathon.

Eigentlich müsste man jetzt noch mal die „richtige“ Strecke ohne Tunnel laufen ;-)

 

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