München Marathon

Mein Herbstmarathon sollte wie im vergangenen Jahr der München Marathon sein. Also ging’s wieder in die schöne bayerische Hauptstadt.

Am Samstag holte ich meine Startunterlagen im Olympiapark ab und freute mich schon auf den Lauf am Sonntag. Lag vielleicht auch daran, weil das Olympiagelände in München einfach total schön ist – ich bin ziemlich gerne dort. Und dann ist das Ziel des Marathons auch noch im Olympiastadion... wie herrlich. Ich war voller Vorfreude. Der Sonntag konnte kommen.

Das Wetter sollte nicht gut sein. Regen und keine 10°C. Zumindest laut Wetterbericht vom Freitag. Umso größer die Überraschung am Sonntagmorgen. Die Sonne schien und als ich mich nach draußen begab, war es nicht mal kalt, es wehte nur ein leichter Wind. Super Wetter, besser geht’s gar nicht.

Vom Olympiastadion (Kleiderbeutelabgabe) bis zum Start musste man noch 1 – 1,5 Km zurücklegen – optimal zum Einlaufen. Und dann ging’s mal wieder darum sich gut zu platzieren am Start, was allerdings kein Problem war. Um 10.00h ertönte das Startsignal und das Unternehmen „Bestzeit“ begann. Ich wollte die 2:30h-Marke knacken. Und ich fühlte mich gut und bereit dazu. Also lief ich mein Tempo und war erstaunt als ich nach einem Km allein in Führung lag. Und das bei einem Marathon mit 6000 Startern. Nach zwei Km schloss ein Leipziger zu mir auf und wir liefen zu zweit. Hinter uns befand sich eine 8-Mann starke Gruppe. Dieses Wissen erlangte ich von dem Leipziger Trainer, der Radbegleitung gab. Nach vier Km ließen wir uns von den acht Mitstreitern einsammeln. Es war besser so, denn wir waren ja nicht viel schneller. Also ging’s zu zehnt Richtung Englischen Garten. Und in der Gruppe zu laufen war sehr kurzweilig, auch wenn das Tempo (gefühlt) nicht sehr schnell war. Ich konnte eben Kräfte sparen, denn ich sorgte nicht für das Tempo, sondern lief nur mit. Das war angenehm. Zudem konnte man die Gegner ein bisschen genauer betrachten. Und es war sehr international, das gefiel mir ;-) Vier Österreicher, zwei Italiener, ein Spanier und, inkl. mir, drei Deutsche. Bei Km 8 ging es in den Englischen Garten, einer meiner Lieblingspassagen im Verlaufe des Marathons. Im Herbst besonders schön. Viel Natur, so gut wie kein Publikum – man könnte die Seele baumeln lassen, wenn denn kein Wettkampf wäre. Aber der war es ja nun mal und es lief richtig gut. Nach 10 Km hatten wir drei Leute (zwei Ösis, einen Deutschen) verloren und waren nur noch zu siebt. Die Durchgangszeit von knapp unter 35 Minuten deuteten auf eine Halbmarathonzeit von 1:14h hin. Eigentlich war mir das einen Tick zu langsam, aber die Gruppe ging so gut und Mitlaufen ist ja auch wesentlich einfacher und kraftsparender als alleine vorne weg zu preschen. Deshalb blieb ich brav in der Gruppe. Bei Km 15 verließen wir den farbenfrohen Englischen Garten und es ging einen Kilometer einen kleinen Anstieg hoch. Doch es passierte nichts, wir blieben alle zusammen. Kurz nach der Verpflegungsstation bei Km 17 forcierte der eine Italiener das Tempo und die Gruppe zerbrach daran. Er lief vorne weg und ich führte die Verfolgergruppe um den Leipziger und den anderen Italiener an. Hinter uns liefen die anderen drei. Kurze Zeit später schloß meine Gruppe zum Führenden auf – nun waren wir zu viert. Aber nicht für allzu lange Zeit. Noch vor dem Halbmarathon waren wir alle sieben wieder beisammen, denn in unserer Vierergruppe wollte keiner die Führungsarbeit leisten. Den „Halben“ passierten wir in 1:14:32. Das war so nicht geplant. Ich war nur 30 sek schneller als in Zürich. Nun durfte die zweite Hälfte auf gar keinen Fall langsamer werden – nur das ist viel leichter gesagt als getan. Ich schaltete mich jedenfalls wieder mit in die Führungsarbeit ein, denn wir waren ja immer langsamer geworden. Und auch der Leipziger hatte Interesse an einem schnelleren Tempo. Nun liefen wir wieder etwas zügiger, aber immer noch zu siebt. Bis Km 27. Dann fiel nach einer kurzen Tempoverschärfung des Leipzigers die Gruppe auseinander. Aber ich konnte dran bleiben, genauso wie die beiden Italiener. Die Anderen waren weg. Allerdings hatten wir das ja schon einmal und ich war mir nicht ganz sicher, ob wir die auf Abstand halten können, zumal unser Tempo für kurze Zeit eingeschlafen war bis sich ein Italiener dazu erbarmte für das Tempo zu sorgen. Kurz nach Km 29 ging es durch das Isartor zum Marienplatz. Hier ist der stimmungsvollste Punkt der Strecke. Und als Führungsquartett hat man ja besonders viel Applaus bekommen :-) Nun folgte eine kleine Zwei-Km-Runde, wo sich nichts tat, und bei Km 31 ging es dann noch mal über den Marienplatz. Immer noch zu viert. Nun vergingen die Kilometer und bis Km 35 passierte nicht viel. Ich fühlte mich ziemlich gut und war gespannt, wer wann das Tempo richtig erhöht. Denn ein kleiner Steigerungslauf war es bereits. Wir wurden immer ein, zwei Sek pro Kilometer schneller. Bei Km 37 machte ich Tempo von vorne und merkte dann doch, dass man bereits lange unterwegs war. Aber es ging gut. Nur klebten alle wie Kletten an mir. Ich wollte aber nicht Vierter werden. Wenn man so lange vorne mit dabei ist und dann Vierter wird – nee, das wär echt gemein. Und bei Km 38 war es dann soweit. Einer musste abreißen lassen – ich war es nicht, sondern einer der beiden Italiener. Jetzt waren wir zu dritt und das musste ich nur noch vier Km lang halten. Und die Chance auf den Sieg hatte ich ja auch noch. Aber das Rennen war schnell geworden. Ab Km 39 übernahm der Leipziger die Führung und drückte auf’s Tempo. 500m später ließ der Italiener abreißen. Auch mir wurde es zu schnell, aber ich konnte noch weitere 600-700m mitgehen. Kurz nach Km 40 fiel also die Entscheidung. Aber ich durfte ja nicht aufhören zu laufen, der Italiener war nicht weit hinter mir. Man befand sich mittlerweile auch schon im Olympiapark, der sehr weitläufig ist. Bei Km 41 kann man dann schon das Olympiastadion sehen und das gab mir den letzten Auftrieb. Ich würde als Zweiter das Stadion betreten. Durch das Marathontor hindurch und mit tosendem Beifall empfangen, konnte ich die letzten knapp 350m im Olympiastadion richtig genießen. Zweiter Platz und neue persönliche Bestzeit von 2:28:43 – ich war happy, zumal die zweite Hälfte sogar paar Sekunden schneller war als die erste.

Ein weiteres Highlight war dann die Siegerehrung. Während die Läufer, die knapp über 3h liefen, gerade finishten, begann für uns die Siegerehrung im Stadion vor der Haupttribüne. Zwischen Tribüne und Podest tummelten sich viele Fotografen – es sah ganz lustig aus. Es war halt doch eine Großveranstaltung. Und es war besonders schön und für mich in dieser Form bisher einmalig.

München 2009 war einfach genial.

 

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Peter Langfeld (Donnerstag, 15 Oktober 2009 21:39)

    Mensch Dennis, einfach Super Leistung!
    Glückwunsch und eine Sportpause hast Du dir jetzt auch verdient.
    Für Deine Zukunft wärst Du dich aber noch an die Fotografen gewöhnen müssen, da geht noch was.