Halbmarathon "zuhause" in Lübeck

Seit drei Jahren war ich nicht mehr in Lübeck auf der Straße gelaufen. Nun hatte ich wieder Lust „zuhause“ zu laufen, zumal ich auch endlich einmal den Herrentunnel zu Fuß durchqueren wollte. So fiel die Entscheidung zugunsten des Lübeck Halbmarathons nicht schwer, obwohl am selben Tag der Röntgenlauf in Remscheid - ein wahnsinnig schöner, hügeliger Landschaftslauf - stattfinden sollte. Aber dieses Jahr wollte ich in Lübeck laufen und den „Heimlauf“ genießen... naja...und gewinnen :-) 

So fuhr ich am Sonntagmorgen dann mit dem Rad in die Stadt. Ich war kaum angekommen, da hielt mir einer der Sprecher schon das Mikrophon unter die Nase und ich gab erst einmal ein Interview. Und irgendwie ist es schön zuhause, man würde glatt den Start verpassen, wenn man nicht ab und zu mal auf die Uhr schauen würde, denn es sind so viele Leute da, die man kennt. So war meine Aufwärmphase zwar kürzer als sonst, aber das Drumherum pusht ja auch ;-) Um 10.15h war dann Start. Zwei, drei Meter vor der Startlinie machten sich die Lübecker Nachwuchs-Footballer breit. Diese sollten die ersten 100m vorweg rennen. Ich hoffte nur, dass die schnell genug wären – manche sahen nicht unbedingt danach aus bzw. waren zu jung.

Der Startschuss fiel und ich nahm Fahrt auf. Ich war ziemlich schnell dran an den Footballern und musste nach 100m aufpassen, dass mir keiner vor die Füße läuft – denn sie schwärmten nach links und rechts aus. Alles ging gut und ich machte mich – bereits alleine in Führung liegend – auf den Weg nach HL-Kücknitz, wo der Wendepunkt sein sollte. Die nächste Schwierigkeit ließ aber nicht lange auf sich warten. Nach rund 500m musste über Kopfsteinpflaster gelaufen werden. Dieses war noch sehr nass und man lief dort wie auf Eiern. Ich bin nur gerutscht... Nach ein paar Metern war dieser „Spaß“ zum Glück wieder vorbei und es konnte normal weitergelaufen werden. Nach etwas mehr als einem Kilometer ging es mit Überholen los. So wurde mein Rennen dann doch nicht so einsam, denn bis hierhin lief ich ganz alleine und hatte nur meinen Vereinskollegen als „Führungsradler“ dabei. Nun sammelte ich einen Marathonläufer nach dem anderen ein. Das war ganz nett, zumal ja viele liefen, die ich kannte bzw. die mich kannten. Zudem standen ab und zu auch ein paar Zuschauer an der Straße und gaben Applaus. So wurde ich sowohl aus dem Läuferfeld als auch von der Seite aus angefeuert. Das war schön und ging bis zum Wendepunkt so. Die langweilige kurvenlose Travemünder Allee war deshalb überraschenderweise ganz angenehm und dass es mir bis dato gut gefiel, konnte man auch an der ersten Zwischenzeit nach 5 Km sehen: 15:40 Min. Upps, das war vielleicht bisschen schnell, aber die nächsten fünf würden eh langsamer werden, dachte ich mir, denn der Tunnel lag auf dem Weg. Nach etwas mehr als 7 Km war es endlich soweit, nun durfte ich zum ersten Mal durch den Tunnel laufen. Es ging hinab bis unter die Trave und ich konnte es so richtig rollen lassen. Aber da wo es runter geht, geht’s auch wieder hinauf. Allerdings ließ sich der Anstieg gut laufen und da wir ja nicht in den Bergen sind, war auch ein Ende absehbar. Anstrengend war es natürlich trotzdem. Und das Gemeine ist, dass die Straße nach dem Tunnel noch mehrere hundert Meter weiter leicht ansteigend ist. Naja, mir gefällt so was ja. Dann war ich schon fast am Wendepunkt. Die 10 Km passierte ich in 32:04 Min. Ich war einfach gut drauf, auch wenn die Beine schon langsam schwerer wurden. Aber es sollte ja der letzte Wettkampftag vor meinen „Regenerationswochen“ sein, sodass ich mich noch einmal völlig verausgaben konnte. Die Wende war erreicht und es ging exakt denselben Weg zurück. Nun kamen mir die überholten Marathonläufer noch einmal alle entgegen genauso wie alle anderen Halbmarathonläufer. Und immer noch gute Stimmung. Das einzige was sich zunächst änderte war der Wind, der nun von vorne kam... auf dem Hinweg hatte ich eigentlich nicht das Gefühl, dass wir Rückenwind hatten. Na gut, es störte mich (noch) nicht.

Der Tunnel war von dieser Seite viel schneller wieder erreicht und diesmal war es noch schöner als bei der ersten Durchquerung. Denn jetzt kam mir noch ein ganzer Schwung von Läufern entgegen und diese machten ordentlich Stimmung. Es hat so schön gehallt... Die letzten Meter hinauf wurden dennoch schwer, aber das Gröbste war geschafft. Nun ging’s nur noch die lange Travemünder Allee zurück Richtung Innenstadt. 6 Km vor dem Ziel kam mir der letzte Halbmarathonläufer entgegen. Ich lief jetzt ganz allein auf der breiten Straße und hatte Gegenwind. Wie langweilig. Das Tempo wurde langsamer. Es fehlte so bisschen die Motivation. Ich begnügte mich mit einem nicht ganz so anstrengendem Tempo, befand mich allerdings dank der schnellen ersten Hälfte immer noch auf Bestzeitkurs. 2,1 Km vor dem Ziel war dann endlich wieder leben auf der Strecke. Hier war Staffelwendepunkt und die Staffeln waren unterwegs. Nun wurde es wieder freundlicher... und ich bisschen schneller. Auf einmal hat’s wieder Spaß gemacht und die letzten Meter fielen dann nicht mehr schwer. Auch das Kopfsteinpflaster, nicht mehr ganz so nass, war kein Problem mehr und es ging durch die Zuschauergasse zum Ziel auf dem Marktplatz. 1:09:29 – neue Bestzeit und das auf einer nicht gerade schnellen Strecke. So ein Heimlauf kann eben beflügelnd sein und ich fand es richtig schön mal wieder zuhause zu laufen. Es hat sich auf jeden Fall gelohnt.

Aber der Tag war ja noch nicht ganz vorbei...

 

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