Halbmarathon in Monaco

Monaco war eine Reise wert. Aber wie kam diese Reise überhaupt zustande?

Durch Zufall. Eigentlich fand Monaco in meiner Saisonplanung keine Beachtung, zumal es ursprünglich ein Marathonlauf sein sollte. Im Dezember vergangenen Jahres erwähnte Suse beiläufig den Monaco Marathon und fragte ganz spontan und eigentlich nicht ernst gemeint (was ich aber nicht wusste...) ob ich nicht Lust hätte dort zu laufen. Ich überlegte kurz und dachte mir: ach egal, so aus Spaß locker einen Marathon und ne Woche später in Berlin Bestzeit über den Halben laufen – das schaff ich schon. Klingt verrückt, aber so bin ich nun mal. Also meinte ich zu Suse, lass fahren. Sie war erst sprachlos, weil sie nicht mal mit einer Antwort auf die beiläufige Frage gerechnet hatte, dann aber voller Vorfreude. So begann unsere Planung.

Ende Januar wurde der Marathon dann abgesagt. Grund: der Termin kollidierte mit französischen Regionalwahlen. Es war vielleicht keine organisatorische Meisterleistung, auch die Absage kam ziemlich spät, aber immerhin wurde dann noch ein Halbmarathon durch das Fürstentum angeboten. Suse war enttäuscht, ich dagegen fand es so viel besser. Und da wir schon alles gebucht hatten, fuhren wir trotzdem hin.

*  *  *

Wir kamen am späten Freitagnachmittag an und die Sonne begrüßte uns noch kurz. Bis zum Abflug am Montagabend war sie dann nicht mehr zu sehen ;-(  Samstag und Sonntag war es stark bewölkt bei 14-17°C, am Montag kam leichter Regen hinzu. Das hätte durchaus besser sein können, aber egal. Am Freitag habe ich dann noch Nizza (da übernachteten wir) erkundet. Suse war zwar mit, kannte aber schon (fast) alles aus früheren Zeiten. Die Altstadt war total urig mit vielen kleinen Gassen. Sehr schön. Am Samstag liehen wir uns dann Fahrräder und machten uns nach Monaco auf, um dort die Startunterlagen abzuholen. Wir fuhren an der Côte d’Azur entlang, immer mit Blick auf das Mittelmeer und landwärts auf die Berge. Die Radstrecke war ziemlich hügelig und 18 Km „lang“. Ich fand’s super. Berge und Meer so nah beieinander. Wenn denn nicht alles so verbaut wäre, wäre es eine wunderschöne Gegend. Häuser drängten sich eng an eng auf die kleine Fläche zwischen Wasser und Anhöhen. Die Dörfer und Altstädte sind okay, aber richtige Städte wie Nizza und Monaco mit vielen Einwohnern? Nein, das ist nicht so schön. Aber typisch Mensch, welcher Natur nicht Natur sein lassen kann. Dennoch hatte auch Monaco seine schönen Seiten wie den Yachthafen, das Casino und den Fürsten-Palast. Und natürlich das Stadion, wo es die Startunterlagen gab. Auf der Rückfahrt beschlossen wir, auch am Sonntag zum Lauf mit dem Rad hinzufahren.

*  *  *

Der Wettkampftag war gekommen, für mich sollte es nur ein gutes Vorbereitungsrennen für Berlin werden. Deshalb fuhren wir ja auch mit dem Rad hin. Normalerweise würde ich nur innerhalb von Lübeck mit dem Rad zum Wettkampf fahren, aber nicht mal nach Travemünde. Das wäre mir dann schon zu viel. Aber in Nizza/Monaco war ich im Urlaub und hatte kein besonderes Ziel. Warum ich nicht mit dem Rad zu Wettkämpfen fahre, das habe ich dann auf dem Weg nach Monaco beantwortet bekommen. Ein Platten und wir hatten gerade mal 2/3 der Strecke geschafft. Zum Glück hatten wir genügend Zeit eingeplant. Eine Luftpumpe oder gar Flickzeug hatten wir natürlich nicht dabei. Also wurde das Fahrrad kurzerhand an einen Laternenmast angeschlossen. Nun starteten wir ein Run&Bike. Zunächst fuhr ich Rad und Suse lief, sie hatte ihre Laufsachen schon an, ich noch nicht. Deshalb fuhr ich vor, zog mich um und holte Suse wieder ein. Nach ein paar Kilometern tauschten wir und ich lief weiter. Wir kamen 35 Minuten vor dem Start an und waren schon warm. Das war eigentlich nicht schlecht ;-)

Das nächste, was nicht so klappte, war die Startaufstellung. Der Start war übrigens da, wo das Formel 1-Rennen Jahr für Jahr gestartet wird... Bei der Anmeldung konnte man anscheinend Zeiten angeben um in den einen Startblock für die schnelleren Läufer zu kommen. Da das bei der Ummeldung irgendwie nicht registriert wurde, erhielt ich also keine Nummer, die mit einem A begann, sondern eine ganz normale. In den ersten Startblock durften aber nur A-Nummern und so wurde bis kurz vor Start jeder herausgezogen, der keine hatte. Ich war schon fast dabei mich damit abzufinden bis sich eine kleine Unachtsamkeit der „Aufpasser“ ergab. Ich sprang über die Absperrung und versteckte mich unter den A-Nummern. Und das ging gut. Der Startschuss fiel und ich war ziemlich weit vorn mit dabei.

*  *  *

Die erste Runde war eine kleine Yachthafenrunde, ca. 1,5 Km lang. Dann passierte man wieder den Start. Das Rennen begann erwartet schnell, da die 10Km Läufer (blaue Nummern) mit uns (rote Nummern) starteten. Für mich war es dennoch nicht erkennbar auf welchem Platz ich lag, da ich die Nummern der schneller Gestarteten ja nicht erkennen konnte. Vor mir liefen zunächst 7 Leute und ich mit einem zusammen dahinter. Der lief aber nur 10 Km. Nach 2 Kilometern kam dann die erste Steigung bis in einen Autotunnel hinein, von wo an es dann flacher wurde. Wir liefen nun durch Monte Carlo. So richtig kam ich nicht in die Gänge und eine 16:30 nach 5 Kilometern bestätigte dies. Und ich fühlte mich schon ein bisschen kaputt. Dann ging’s leicht bergab, wo ich meinen Mitläufer hinter mir ließ, einen weiteren überholte und den nächsten in Sichtweite hatte. Nach 7 Kilometer ging’s dann in den Tunnel hinein, wo sonst die Formel 1 Boliden durchfahren. Und nun begriff ich so langsam, dass ich wohl ziemlich weit vorne mitlief beim Halbmarathon. Das Motorrad mit dem Kameramann begleitete mich nun durch den Tunnel bis hin zu Km 8 (Yachthafen). Dann musste er die Entscheidung bei den 10er filmen. Nun überholte ich den nächsten 10 Km-Läufer und war Gesamt-5. Kurz vor Km 9 ging’s dann wieder durch einen Tunnel Richtung Fontviellle, der eine kleine giftige Steigung drin hatte. Kurz nach 9 kam dann die Streckentrennung. Dort wartete dann „mein“ Polizeimotorrad und ein Rollerfahrer vom Veranstalter. Ich führte also. Nun sollten diese beiden meine Begleitung für die restliche Strecke sein. Es ging jetzt noch um das Stadion herum, durch einen kleinen Park und nach dieser kleinen Runde zurück durch den Tunnel. Km 10 passierte ich nach 32:40 Min. Ich bin sogar schneller geworden, obwohl es sich nicht so anfühlte. Das einzige was ich spürte war, dass die Beine ziemlich gut arbeiteten. Die zweite Runde war dann so ganz ohne Konkurrenz nicht wirklich spannend. Die kleinen Steigungen taten umso mehr weh und dennoch lief es super gut. 49:05 Min bei Km 15. Nun ging’s um eine neue Bestzeit. Vorher hatte ich noch nicht daran geglaubt, jetzt war es soweit. Warum sollte ich auf Berlin warten? Ich lief auf einmal richtig sauber, die Beine spielten mit. Aber ruhig geatmet habe ich natürlich nicht ;-) Ab Km 19 wurde es dann schwer. Die Luft war raus, nun ging’s nur noch über den Kopf. Bei Km 20 sah ich dann, dass, wenn die letzten 1,1 Km schnell werden, ich noch unter 1:09h bleiben könnte. 400m vor dem Ziel ging’s dann in den Stadiontunnel, der leicht ansteigend war. Dieser Anstieg raubte mir die letzten Körner. Die 300m im Stadion liefen dennoch gut, auf der Bahn fühl ich mich mittlerweile doch ziemlich wohl – zumindest bei Straßenlauf-Zieleinläufen ;-) Meine Uhr stoppte bei 1:08:54. Offiziell soll ich netto gar 1:08:51 gelaufen sein. Neue Bestzeit und das auf einem Kurs, der nicht ganz flach ist. Aber das war Lübeck letztes Jahr auch nicht. Solche Strecken liegen mir wohl.

Jedenfalls war ich sehr zufrieden und super happy. Im Ausland zu gewinnen ist schon etwas Besonderes und dann auch noch in Monaco. Das gibt was her ;-)

Im Ziel durfte ich dann für das monegassische Fernsehen ein Interview geben – allerdings auf Englisch. So gut ist mein Französisch dann doch wieder nicht. Die Siegerehrung war dann auch ganz lustig. Weil ich nix verstanden habe – bis auf meinen Namen. Der Siegpreis war ein Kunstglas / Kunstvase. Mal etwas Anderes und auch was Besonderes ;-)

Es war ein guter Lauf mit einem Zieleinlauf in einem schönen Stadion (Stade Louis II). Das hat mir gefallen.

*  *  *

Der Rückweg war dann allerdings beschwerlich. Wir hatten nur ein Rad und dann auch noch einen Karton mehr (mit der Vase) mit. Wir entschieden uns zu gehen. Nach etwa drei Kilometern wollte Suse dann wieder laufen und ich fuhr mit dem Rad. Irgendwann gingen wir beide weiter und dann waren wir „schon“ beim platten Fahrrad angekommen. Wir gingen bis in die nächste Stadt und pumpten dort den Reifen auf. Bis Nizza hielt das Rad durch. So dauerte der Rückweg zwar ziemlich lange, hätte aber durchaus noch länger sein können. Ich fahr auf jeden Fall nicht mehr mit dem Rad zu einem Wettkampf ;-)

Am Montagmorgen tauschten wir dann das Rad um und fuhren noch mal schlappe 18 Km in die andere Richtung. Antibes hieß unser Zielort, der allerdings aufgrund des Wetters und des Wochentages ein bisschen leblos daher kam. Dennoch war die Altstadt ganz hübsch und das Meer prallte dort auf kleine Felsen. Irgendwie doch ganz nett. Außerdem belohnten wir uns mit kleinen Leckereien aus einer Konditorei. Mmmh....

Am Abend flogen wir dann heim – mit einer neuen Bestzeit im Gepäck :-)

 

 

Kommentar schreiben

Kommentare: 1
  • #1

    Suse (Donnerstag, 01 April 2010 13:29)

    Na, da ist er ja, der Artikel. Ein kleiner Roman, sehr spannend geschrieben. Weiter so!
    LG
    Suse