Hitze-Halbmarathon in Hamburg

Wenn man sich für einen Halbmarathon, der Ende Juni stattfindet, anmeldet, muss man damit rechnen, dass es warm wird. Dass es allerdings morgens schon so verdammt warm sein kann, damit hatte ich nicht gerechnet. Aber so war es in Hamburg. Dennoch ging ich ganz optimistisch in das Rennen, war ich doch fit und die Trainingsergebnisse vorher gut. Mein Ziel war klar: unter 1:10h. Und geliebäugelt hatte ich mit einer Zeit um meine Bestzeit herum – entweder drunter oder drüber.

So sortierte ich mich am Start vorne ein – im Pulk der fünf Kenianer und des österreichischen Marathon EM-Teilnehmers. Und so liefen wir zunächst auch zusammen. Überraschend aus meiner Sicht, war doch der Streckenrekord als Ziel ausgegeben worden. Doch nach einem Km war abzusehen, dass es keinen normalen Verlauf geben würde. Es war wohl selbst den Kenianern zu heiß. 3:23 Min! Da war sogar ich zu langsam. Es wurde sofort etwas schneller, allerdings nicht so, dass sie wegzogen. Ich blieb schön in der Spitzengruppe, wo die Kenianer den Ton angaben und mit dem Tempo und den beiden „Weißen“ spielten. Ich konnte einfach nicht anders als mitzumachen, anstatt gleichmäßig zu laufen. Bei Km 4 kam dann ein Antritt eines Afrikaners und alle zogen mit – nur ich nicht. Das war mir kurzfristig zu schnell. Kurz danach ging es die Helgoländer Allee hinauf bis zur Reeperbahn, wo Start war, und die ersten 5 Km waren geschafft, in 16:33. Also zu schnell war das jedenfalls nicht. Die Sechsergruppe vor mir war auch noch in Sichtweite und lief nicht mehr schneller. Doch die Hitze fing jetzt schon an zu zermürben, genauso die Tatsache, dass ich jetzt schon wieder alleine lief. Dagegen half (ein wenig) die Motivation vom Straßenrand. Trotzdem hätte gern nach 6 Km Schluss sein können. Es ging aber weiter. Und überraschenderweise holte ich wieder auf die Spitzengruppe auf, obwohl ich mich so, wie eben beschrieben, fühlte. Bei Km 7 schloss ich die Lücke und „versteckte“ mich wieder in der Gruppe. Jetzt fand ich es doch wieder spannend. Es ging so weiter, wie es anfing – mit vielen Tempowechseln. Das zermürbte mich genauso wie das Wetter. Aber schnell waren wir dennoch nicht. 32:47 bei Km 10. Den Streckenrekord konnten die Kenianer vergessen und der Österreicher seine angepeilten 1:05h auch. Ich war hingegen noch einigermaßen im Soll. Bis Km 12 „trödelten“ die Sechs noch mit mir durch Hamburg und dann kam wieder eine Tempoverschärfung, die ich nicht mitgehen konnte. Diesmal war klar, dass ich da nicht mehr herankommen würde. Plötzlich wurden dann auch die Beine schwer und das war es. Jetzt lief man durch den Wallringtunnel und ich genoss es. Keine Sonne, nur Schatten und angenehme Temperaturen... am liebsten wäre ich im Tunnel geblieben. Ich lief dennoch weiter ;) Immer noch in Sichtweite war die Spitzengruppe, allerdings wurden die immer schneller. Ich nicht. Auf der Kennedybrücke (Km 14) konnte ich dank eines Wendepunktes sehen, wie viel Vorsprung ich vor dem 8. hatte – und das war so viel, dass ich mir sicher war, 7. zu werden. Nun ging es nur noch auf die Alsterrunde. Und in paar Straßen war tatsächlich der ein oder andere Schatten aufzufinden. Es war wirklich nicht mehr angenehm bei der Hitze zu laufen und jeder Meter war jetzt zu viel. Ich war nun deutlich langsamer als zwischen Km 5 und 15, aber ganz aufgegeben hatte ich noch nicht. Unter 1:10h sollte es schon bleiben. Und das geriet auch nicht mehr in Gefahr. Nach 1:09:40 war ich als 7. und schnellster Deutscher im Ziel. Ich habe damit mein Ziel erreicht und war von den Topathleten immer noch der, der am nächsten an seine Bestleistung herankam. Und 12 Km in der Führungsgruppe zu laufen, war natürlich cool. Deshalb kann ich mit dem Rennen (unter diesen Bedingungen) zufrieden sein. Anschließend konnte ich das Wetter dann doch noch in vollen Zügen genießen :)

Kommentar schreiben

Kommentare: 1
  • #1

    Gregor Schlüter (Mittwoch, 04 August 2010 00:21)

    Du bist ein Tier! Schöner Bericht
    der Weisse nimmt den Kampf auf, das gefällt mir!