Der nächste Berg: das Schilthorn

Der August 2010 war sicher nicht DER Sommermonat. Doch glücklicherweise machte der Spätfrühling/Frühherbst zum Inferno Halbmarathon eine Pause. Als ich am Freitag in der Schweiz, genauer genommen in Lauterbrunnen, ankam, schien die Sonne und es waren ziemlich wenig Wolken zu sehen. Die Temperatur war mit knapp über 20° auch ganz angenehm. So konnte ich noch schön die Gegend erkunden. Lauterbrunnen liegt in einem richtigen Tal – links und rechts sind ganz hohe Berge. Richtig schön ist es dort. Zumindest bei dem Wetter, das allerdings zum Abend hin umschlug. Es regnete auf einmal. Immerhin ein guter Grund rechtzeitig ins Bett zu gehen :)

Am Samstag, dem Lauftag, war der Himmel schon wieder wolkenlos. Morgens war das noch ganz angenehm, versteckte sich die Sonne noch hinter dem Berg. Gegen 9.45h konnte man sie dann auch sehen. Für den Tag waren 28° angekündigt, sodass man am Start fast nur Läufer in kurzen Sachen sah. Ich hatte mich zwar wieder für die ¾-Hose entschieden, oben herum sollte mir aber doch nur ein Shirt genügen. Zur Absicherung bzw. für das gute Gewissen, hatte ich dann noch Handschuhe und ein Buff dabei.

Pünktlich um 10.15h war Start. Es ging zunächst durch Lauterbrunnen (795m üNN) und bevor der erste Anstieg zu meistern war, hatte man schon einen Kilometer geschafft. Ich startete locker mit einem 4er Schnitt. Dann ging es bergan. Zunächst auf einer Straße, später auf einem Forstweg. Ich kam einigermaßen gut zurecht und lief. Nach 15 Min und 3 Kilometern hörte man den Startschuss für die Staffelläufer. Ich hatte schon ein paar Höhenmeter Vorsprung, denn ich konnte schön nach Lauterbrunnen hinunter blicken. Es ging weiter bergan. Ungefähr bei Km 6 bog man auf einen Waldweg ab. Hier gesellte sich zum Anstieg noch die ein oder andere Baumwurzel hinzu. Hier ging ich das erste Mal. Es war ziemlich steil und durch die Baumwurzeln so uneben, sodass laufen kaum schneller war. Ich habe auf meinen laufenden Vordermann ca. 5m verloren bevor es wieder auf ein Stück Schotterweg ging, wo ich wieder laufen konnte. Km 7 und damit die Grütschalp (1486m) waren somit schnell erreicht. Hier befand sich schon der zweite oder dritte Verpflegungsstand. Generell war die Verpflegung super. Kurze Abstände und gutes Angebot – bei diesem Lauf wird man super gut versorgt. Nach der Verpflegung ging es dann auf ein Flachstück Richtung Mürren (1640m). Auf 6 Km sollten nur 150 Hm gemacht werden. Das war „mein“ Teilstück. Hier konnte ich es richtig schön laufen lassen und überholte einen nach dem anderen. Kurz vor Mürren ging es gar wieder auf die Straße bis man bei Km 13 wieder bergan lief. Meine Zwischenzeit dort betrug 1:08h, was ich für 13 Km und 850 Hm gar nicht so schlecht fand. Doch ich wusste, dass mir jetzt noch ein sehr schweres Stück bevor stand, sollten auf 8 Km noch einmal über 1300 Hm gemacht werden. Ich rechnete mir max. 2h für die restliche Strecke aus – und war letztendlich gar nicht so weit davon entfernt. Es ging nach Mürren gleich ziemlich steil hinauf – zunächst über Rasen, dann auf einem Bergwanderweg. Hier musste ich schon gehen. Ab und zu lief ich noch 30/40m, aber mehr war nicht drin. Selbst die Verpflegung bei Km 15 (1899m) brachte kein Aufbäumen. Es blieb dabei – viel gehen, ganz wenig laufen. Ich befand mich nun im Kanonenrohr – ein breiter, steiler Bergweg. Mit laufen war’s aus. Ich versuchte mir ab und an die Gegend anzusehen – doch auch dieser eigentlich schöne Blick auf/zu den Bergen konnte mich nicht sonderlich motivieren. Zudem machte mir die Höhe wieder zu schaffen. So ein leichtes Schwindelgefühl trat auf, aber bei weitem nicht so schlimm, wie an der Zugspitze. Also ging ich locker weiter. Irgendwann erreichte ich die nächste Verpflegung an der Schilthornhütte (2432m) bei Km 17. Ich hatte gerade über 500 Hm auf 2 (!) Km geschafft. Von hier an wurde es bissl einfacher und ich konnte noch ein paar Schritte durch den Krater laufen. Als es dann wieder bergan ging, musste ich wieder gehen. Aber das machte nix. Das Schilthorn war mittlerweile zu erahnen, leider hat die eine Wolke direkt um das Ziel die Sicht versperrt. Nun war es nicht mehr weit. Kurz nach Km 19 kam dann noch einmal ein Flachstück, ca. 500/600m lang. Dieses bin ich auch wieder gelaufen – obwohl mir das schon nicht mehr leicht fiel. Es könnte an der Höhe gelegen haben oder an der einfachen Tatsache, dass ich schon ziemlich kaputt war ;) Es folgte die letzte Verpflegung vor dem Ziel, wo die Leute sich über meine Herkunft (Lübeck - Flachland) erfreuten. Somit hatte ich genügend Motivation für die letzten 1,4 Km auf denen noch rund 300 Hm gemacht werden mussten. Und das Ziel war endlich zu sehen – und zu hören. Es war nicht mehr weit – nur noch die paar Gesteinsbrocken erklimmen. Ich fühlte mich wieder besser und wurde sogar wieder etwas flotter. Laufen war zwar auf diesem Stück nicht mehr drin (außer auf dem einen „Grat“ - da ging es links und rechts schon bissl bergab :) ), aber ich ging wieder zügiger. Das Ziel kam näher und endlich erreichte ich die Treppen hinauf zur Gaststätte/Terrasse des Schilthorns (2970m). Auf der Terrasse war das Ziel. Die letzten Meter dahin lief ich noch einmal und war nach 2:49h im Ziel. Ich war und bin froh es geschafft zu haben.

Oben waren die Temperaturen ganz angenehm. So um die 10/12° und Sonnenschein. Ab und zu zog noch eine Wolke vorbei und verhinderte einen schönen Blick auf die anderen Berge. Als ich wieder in Mürren war, war es deutlich wärmer. Aber schön. Die Sonne hatten wir uns alle verdient. So wurde es noch ein richtig schöner Nachmittag.

Am Sonntag blieb das Wetter so und ich machte noch eine kleine 3:30h-Wanderung, bevor ich nach Basel (noch etwas wärmer – 32°!) fuhr und dort noch einmal kurz die Stadt erkundete. Von dort flog ich heim – Nieselregen und 17° begrüßten mich. Ja, ich war wieder zuhause :)

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