Mein Mitternachtslauf in Heiligenhafen

Im letzten Jahr ging ich verletzt an den Start und zahlte bei meinem Lieblingslauf die Quittung dafür. In diesem Jahr war ich nun die 6 ½ Wochen zuvor wenig bis gar nicht gelaufen, um an Heiligenhafen teilzunehmen. Hin und wieder hatte ich noch einen leichten Druckschmerz, doch die Tage vor Heiligenhafen wurde es immer besser. Natürlich wollte ich starten und mich bestmöglich verkaufen, schließlich bekam ich trotz letztjähriger Pleite die Startnummer 1 zugewiesen. Je näher der Wettkampf kam, desto mehr freute ich mich. Schließlich war es auch der Startschuss in meinen „Urlaub“ und den damit verbundenen weiteren Läufen. Doch erstmal Heiligenhafen. Bis auf die Ungewissheit, was ich denn leisten könne, war alles so wie immer. Ich stand auf dem Sportplatz, blickte zum immer dunkel werdenderen Abendhimmel und freute mich auf den Lauf und auf die besondere Atmosphäre. Beim Einlaufen lief es noch nicht ganz so rund, aber es wurde von Zeit zu Zeit besser. Die letzten Minuten vor dem Wettkampf wurde dann noch einmal hier und da geschnackt und dann ging es endlich los. Ich nahm mir wie in Schwerin vor, einfach nur vorne mitzulaufen, wobei ich wusste, dass das Tempo höher sein würde als in Schwerin. Es ging auch zügig los. Claudius Michalak und Klaas Franzen machten ordentlich Druck. Ich lief sehr schwerfällig hinterher und die Luft war schon ganz schön eng. Fit ist anders, doch ich wollte mich nicht kampflos ergeben. Auf den ersten hügeligen Kilometern quälte ich mich sehr. Nach 3,5 Km ließ Klaas dann abreißen und ich lief gemeinsam mit Claudius an der Spitze. Nun wurde es auch allmählich flach. Endlich. Ich ließ Claudius das Tempo machen, ich hätte es zu der Zeit auch gar nicht gekonnt. Bei Km 5 zeigte die Uhr 16:25Min an. Nun ging es Richtung Meer. Um eine scharfe Kurve auf die Strandpromenade. Hier wurde es zwischenzeitlich ganz ruhig – abgesehen von meinem Keuchen und dem Wellengang auf der Ostsee :) Auf der Promenade herrschte Gegenwind, was mich dazu veranlasste, mich in Claudius Windschatten zurückzuziehen. Ich konnte bissl Kräfte sparen. Als ich merkte, dass Claudius kurz nach Km 7 etwas langsamer wurde, sah ich meine Chance gekommen. Auf einmal ging es mir sogar etwas besser als am Anfang und ich suchte mein Heil in der Flucht. Claudius versuchte gar nicht mitzugehen. Eine kleine Windböe blies mir noch entgegen, doch dann bog man auch ab Richtung Feriendorf und zu Km 8. Ich bündelte alle noch vorhandenen Kräfte für diese letzten zwei Kilometer. Gefühlt schlug mein Herz jetzt 250mal in der Minute :) Ich lief um eine weitere Kurve und netter Rückenwind unterstützte mich. Ich konnte es – so gut es ging – laufen lassen. Nur noch ein kleines Stück am Binnensee entlang. Gleich war ich am Abzweig und damit bei Km 9. Nur noch 1 Km und ein einziger kleiner Hügel, der jetzt verdammt weh tat. Beim leichten Herunterlaufen auf Kopfsteinpflaster musste sich natürlich noch einmal mein Fuß bemerkbar machen, doch egal: ich war kurz vor dem Sieg bei meinem Lieblingslauf. Ich wollte nicht mehr, ich konnte nicht mehr, doch die Beine trugen mich irgendwie ins Ziel. 32:48 Min. Ich war fix und fertig, aber so was von glücklich. Mein insgesamt 5. Sieg beim Mitternachtslauf.

Nach der Siegerehrung ging es dann sofort in den Urlaub – ab nach Österreich. Zum Berglauf :)

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