Meine Bergläufe 2011 - Großglockner und Corvatsch

17.07. Großglockner Berglauf

 

Nach dem Mitternachtslauf in Heiligenhafen (ich berichtete) machte ich mich gleich im Anschluss zum nächsten Event auf. Das bedeutete, wir starteten mitten in der Nacht am Samstag um 01.30h in Heiligenhafen und waren 13½ Stunden später in Heiligenblut in Österreich angekommen. Es lag nicht nur eine lange Autofahrt, sondern auch die aufregende Passage über die Großglockner Hochalpenstrasse hinter uns. Nun musste ich nur noch meine Startunterlagen abholen. Von unserer Unterkunft waren das rund 2 Km, die wir dann zu Fuß gingen. Auto waren wir an dem Tag genug gefahren. Es war regnerisch an diesem Samstag, aber die Sonne schien auch, sodass wir noch den ein oder anderen Regenbogen sahen.

Dann hatte ich meine Startunterlagen in der Hand und damit auch den Gutschein für die Pasta. Für Essen war also gesorgt, auch wenn es nicht das beste war. Anschließend wurde sich ausgeruht, der Sonntag war ja nicht mehr lange hin.

Am Sonntagmorgen war dann bestes Wetter. Die Sonne schien. Bergläufe, die so beginnen, habe ich am liebsten. Am Start war schon ordentlich was los. Es ist der größte Berglauf, den ich bisher mitgemacht habe... viele größere gibt es, glaube ich, auch gar nicht. Es waren fast 1000 Läufer, die das Ziel nach 12,67 Km und 1494 Hm auf der Kaiser-Franz-Josefs-Höhe erreichen wollten. Unter ihnen war auch Marco Kolmorgen aus Pinneberg. Wir hatten Wochen zuvor per Zufall herausgefunden, dass wir den gleichen Berglauf laufen werden. Allerdings habe ich ihm im Startbereich nicht gesehen. Der Start war nicht mehr lange hin und die letzten zwei Minuten wurden super inszeniert. Es herrschte Gänsehautstimmung am Start und es ging los. Die ersten 1,5 Km flach aus Heiligenblut heraus und dann schlängelte sich das Feld die ersten Serpentinen hinauf. Nicht weit vor mir lief auf einmal Marcos Bruder. Wir wechselten kurz zwei, drei Worte und dann zog ich davon. An der nächsten Serpentine sah ich Marco ein Stück weiter oben laufen und schaute mal so auf die Uhr. Als ich an dem Punkt war, hatte ich rund eine Minute Rückstand. Es sah gar nicht so weit aus, doch berghoch kostet ganz schön Zeit... und Kraft. Nun ging es auf einem Wanderweg weiter, keine Straße mehr und es wurde noch steiler. Einige Läufer vor mir wechselten vom Lauf- zum Gehschritt, doch ich lief noch. Marco ging jetzt auch und ich kam näher und näher. Einen halben Kilometer später hatte ich ihn dann eingeholt, kurz vor der ersten Verpflegungsstation. Diese erreichten wir gemeinsam. Wir hatten nun 400 Hm geschafft und befanden uns auf 1646m üNN. Nach der Verpflegung war es erst einmal flach und wir liefen auf Trail-Pfaden und Bergwegen. Marco und ich unterhielten uns noch kurz. Es war sein erster Berglauf und er war am Stöhnen, wie anstrengend das doch sei und dass er „so’n scheiß“ nie wieder machen werde. Ich verwies auf den Zieleinlauf und die Aussicht, die man vermutlich haben wird, und sagte ihm, dass er das dann alles ganz anders sieht. Er glaubte mir nicht recht. Nun, auf dem unbequem zu laufendem Flachstück legte er einen schnelleren Schritt als hin und lief wieder vorweg. Es folgte dann wieder ein steiler Anstieg. Ich lief/ging wieder an Marco vorbei und erreichte die zweite Verpflegung nach 6,5 Km auf einer Höhe von 1874m. Von da an waren die Steigungen nicht mehr so heftig, sodass ich wieder mit Marco zusammenlief, bis die Bergwege immer steiniger wurden und ich sehr vorsichtig lief. Ich ließ Marco ziehen und legte Wert darauf heil anzukommen. Es folgte die dritte Verpflegungsstation auf 2005m. Von hier konnte man das Ziel schon sehen, obwohl es noch 4 Km und 365 Hm entfernt war. Es ging über Bergwege weiter und an einem „Gletschersee“ vorbei. An einer Stelle, einem kleinen lauten Wasserfall, liefen wir über eine Hängebrücke, die ordentlich wackelte. Bergläufe sind immer Erlebnisläufe. Ich bog um die nächste Ecke und hatte gute Sicht auf den größten Gletscher der Ostalpen: die Pasterze. Es war so schön, auch wenn ich mir das Ziel herbeisehnte. Weit war es jetzt nicht mehr. Die vierte und letzte Verpflegung auf 2120m hatte ich erreicht. Nun war nur noch ein Kilometer zu absolvieren, allerdings auch noch 250 Hm. Von diesem Punkt an, gibt es beim Großglockner Berglauf eine Bergsprintwertung. Wer diesen letzten Kilometer am schnellsten läuft, wird ausgezeichnet, egal ob er Gesamtsieger ist oder 1000. wurde. Realistisch ist das für mich aber nicht gewesen, sodass ich mir mein eigenes Ziel setzte: so nah wie möglich wieder an Marco herankommen. Berghoch war ich ja eindeutig schneller, aber mittlerweile konnte ich ihn nicht mehr sehen. So viel Vorsprung hat er auf dem „Laufstück“ herausgeholt. Nun kämpfte ich mich also die letzten Meter den Berg hinauf und 400m vor dem Ziel machte ich Marco vor mir aus. Noch hatte er einen guten Vorsprung. Doch Höhenmeter um Höhenmeter machte ich Boden gut. Es ging jetzt nur noch eine Treppe hinauf und an deren Ende um die Ecke, um die letzten 50m zu absolvieren. Ich holte weiter auf und hatte Marco genau auf der Ziellinie eingeholt. Ein sehr schönes Gefühl. 11:18 Min benötigte ich für die letzten Höhenmeter, knapp 2:45 Min schneller war der Sprintsieger. Der muss die Seilbahn genommen haben :) Aber das war ja nicht wichtig. Wichtig war, dass es mir endlich mal wieder gut ging in der Höhe. Und es war schön mit anzusehen, wie jemand seinen ersten Berglauf feierte. Marco hatte sooo ein Runner’s High... auf der Strecke hatte er noch so gejammert und jetzt hätte er am liebsten sofort den nächsten Berglauf in Angriff genommen. Berglaufen ist wie (Ultra-)Marathonlaufen. Mittendrin denkt man „nie wieder“. Doch ist das Ziel erreicht, gibt es nix Schöneres. In den Bergen sieht man dann auch, was man geschafft hat und wird oftmals mit einem grandiosen Ausblick belohnt. Hier war es nur halbwegs so. Während der schöne, mit Schnee bedeckte Johannisberg gut zu sehen war, konnte man den Großglockner nicht sehen, da viele Wolken die Sicht behinderten. Gelohnt haben sich die Strapazen aber trotzdem. Übrigens: 1:41:49 dauerte mein Aufstieg zu Fuß.

 

 

23.07. St. Moritz – Corvatsch-Trophy: hinauf auf 3303m üNN

 

Der Alpinathlon ist eine Mix-Veranstaltung aus Rennradfahren, Mountainbiking (2x) und Laufen (2x). Es ist ein Fünfkampf an einem Stück sozusagen. Für Leute, die nicht alles machen möchten, gibt es die Möglichkeit als Staffelteilnehmer oder Einzelstarter teilzunehmen. Angeboten als Einzelwettbewerb werden nämlich eine MTB-Strecke und der abschließende Berglauf. Zu diesem meldete ich mich an. Start sollte in St. Moritz-Bad sein auf 1774m Höhe und Ziel auf dem Corvatsch in 3303m Höhe. Dazwischen lagen 10,6 Km und 1600 Hm, die zu bewältigen waren. Durch die „Vorbereitung“ beim Großglockner Berglauf fühlte ich mich für diese Aufgabe ausreichend gewappnet.

Morgens vor dem Start gab es die letzten Infos. Auf dem Gletscher, der zur Laufstrecke zählte, sollen in der Nacht noch einmal 30cm Neuschnee gefallen sein und zur Zeit schneie es auch leicht. Ich packte Handschuhe, Buff, eine Windjacke und eine „normale“ Laufjacke ein. Seit der Zugspitze 2008 habe ich immer alles dabei, teilweise auch doppelt. Dennoch: damals war mein Problem der Regen am Start und nicht der Wetterumschwung. Seitdem fürchte ich also Regen zu Beginn des Berglaufes. Doch es war zum Glück nur bewölkt in St. Moritz. Und es hielt sich erstmal. Gute Bedingungen für ein weiteres Spektakel. Auf 3303m war ich noch nie. Das bis dato höchste waren gerade einmal 3029m und da bin ich nicht gelaufen. Nun also sollte es noch einmal höher gehen.

Am Mittag war dann Start. Es ging sofort bergan, zunächst auf einem Wanderweg. Die erste Verpflegung war bald erreicht und schon befand ich mich auf 2000m Höhe. Es ist echt nett, wenn der Start schon auf fast 1800m ist. In Deutschland sind da einige Bergläufe schon zu Ende. Es ging jetzt immer mehr auf einem Bergweg weiter. Im Gegensatz zum Trailrunning beim Großglockner waren die Wege hier besser und ich konnt es ganz gut laufen lassen, da wo es nicht allzu steil war. Auf einer kleinen Flachpassage lief ich unmittelbar hinter einem, den ich bei nächster Gelegenheit überholen wollte. In den Bergen geht das ja nicht immer. Auf der Suche nach dieser Gelegenheit, wurde ich allerdings unkonzentrierter, was den Weg unmittelbar vor mir anging und schon stolperte ich, weil ich gegen einen Stein getreten war. Ich fiel schön mit dem Knie gegen einen Stein, hatte ein wenig Schmerzen, doch rappelte mich schnell wieder auf und lief einfach weiter. Ich holte den vor mir Laufenden dann wieder ein und kam relativ schnell an ihm vorbei. Na toll. Ich erreichte eine weitere Wasserstation. Da stand mitten im Berg einfach ein Auto. Bis auf den Bergweg, den wir liefen, gab es keinen anderen Weg und nicht nur ich fragte mich, wie die denn da mit ihrem Geländewagen hingekommen sind. Es ging weiter bergauf und eine Hütte war die nächste Anlaufstation. Hier befand ich mich schon auf 2600m... und mir ging’s gut, abgesehen von den Knieschmerzen und der gemeinen Anstrengung, die berghoch laufen so mit sich bringt. Der Weg wurde steiniger und wieder steiler. Jetzt waren sogar Absätze dabei, wo ich fast geklettert bin. Dann wurde es wieder flacher... und kälter. Es kam ein bissl Wind auf und es fing an leicht zu schneien. Ich zog meine Handschuhe an und murmelte mich in meine Jacke und in mein Buff ein... und weiter ging’s. Ich war gut ausgerüstet. Kalt wurde mir gar nicht. Nach weiteren Anstiegen, die Schneefelder nahmen zu, erreichte ich die letzte Trinkstation und fragte die Frau, wie lange es von da an noch sei. Sie meinte so 15-20 Minuten. Okay. Ich rechnete mit 25 Min ;) Jetzt ging es auf den Gletscher. Der Schnee war rutschig und stellenweise sackte ich bis zur Wade weg. Es war verdammt anstrengend, aber genauso verdammt schön. Es hatte aufgehört zu schneien und es wurde auch wieder einen kleinen Tick wärmer... ich war eben warm angezogen. Das Ziel kam in Sichtweite und schrittweise näher. Es war auf der Terrasse des Gipfelrestaurants. Jetzt nur noch die letzten Treppen und anschließend 10 Meter bis ins Ziel. Ich merkte, wie sich immer mehr Glückshormone in meinem Körper ausbreiteten und lief freudestrahlend über die Ziellinie. 3303m üNN. Eines der höchsten Sportziele Europas. Ich hab’s geschafft – nach 1:50:26h. Zufrieden und glücklich trat ich nach kurzem Aufenthalt in der Höhe (es war leider nicht viel zu sehen, die Wolken hingen zu tief) den Rückweg an... mit der Seilbahn natürlich.

Und dann, kurze Zeit später, ging’s mit dem Auto zurück nach Deutschland. Ich wollte einen Tag später noch einmal laufen – in Böblingen.

Zieleinlauf auf dem Corvatsch (anklicken für größere Darstellung)
Zieleinlauf auf dem Corvatsch (anklicken für größere Darstellung)

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