Fun beim Indoor Trail in Dortmund

Indoor Trail. Da muss ich mal hin, dachte ich mir, als ich vom ersten Indoor Trail hörte. Und das obwohl ich Trailrunning jetzt nicht sonderlich liebe. Es ist einfach nicht mein Ding. Aber: Indoor Trail hört sich nach Spaß an… und den habe ich gerne. Also meldete ich mich zur nun zweiten Auflage des Indoor Trails in den Dortmunder Westfalenhallen an.

Schon bei der Anreise war ich ordentlich gespannt auf das, was kommt. Es ist ein 3-Tage-Event. Am Freitag ein Sprint über eine Runde, ca. 1,3 Km. Am Samstag vier Runden, ca. 5,2 Km und am Sonntag acht Runden, ca. 10,4 Km. Am Freitag und am Samstag gab es Vorläufe und die 10 Zeitschnellsten bestritten am Abend noch einen Endlauf. Ursprünglich war mein Ziel, zumindest am Samstag den Endlauf zu erreichen. Die hartnäckige Erkältung davor konnte mich auch nicht von dem Ziel abbringen. Doch schon beim Einlaufen am Freitag merkte ich zwei Dinge:

1. Die Strecke war viel schwerer als ich sie erwartet hätte. Die „Hindernisse“ – ob nun Baumstämme, verschiedene Untergründe inkl. Tiefschnee, Hügel u.a. – waren kräftezehrend. Hinzu kamen pro Runde über 300 Treppenstufen und 56 Höhenmeter. Ein richtig schöner, knallharter Trail.

2. Ich war nicht so fit, wie ich gehofft hatte. Mir steckte die Erkältung tatsächlich noch in den Beinen. Oder schon wieder? Drei Tage nach dem Indoor Trail hatte es mich erneut erwischt :(

 

Ich fühlte mich zwar nicht gut, aber wollte den Spaß definitiv mitmachen. Ich war jetzt ja ohnehin vor Ort, also startete ich auch. Die Startprozedur war für Läufer etwas Besonderes. Denn es gab beim Indoor Trail keinen Massenstart (außer in den beiden Finalläufen), sondern Einzelstarts, wie man sie vom Skilanglauf oder Biathlon kennt. Alle 10 Sekunden wurde ein Läufer auf die Strecke geschickt. Am Freitag und Samstag wurde nach Startnummern gestartet, am Sonntag nach der Platzierung.

 

Freitag, 18:34:10 Uhr

Noch 60 Sekunden bis zum Start. Wieder geht ein Läufer auf die Strecke. Und noch einer. Gleich bin ich dran. Die Freude, aber auch Anspannung steigt. Noch 30 Sekunden. Der Sprecher hat mich in seiner Liste markiert und kündigt meinen Start an, wie bei vor mir gestarteten Athleten, die man kennt und denen man Endlaufchancen einräumt. So auch mir. Mal wieder wird meine Marathonbestzeit aus Dubai erwähnt… allerdings auch mit dem Vermerk, dass das schon drei Jahre zurückliegt. Finde ich jetzt ganz gut, denn ich weiß ja auch, dass ich nicht so gut drauf bin. Die Sekunden laufen herunter… und los geht’s. Die ersten kleinen Hindernisse (Matsch, Sand, Hügel, Tannenbäume, Baumstämme) sind kein Problem. Dann kommt die Steilwand. Ich will die vor mir Gestartete hier überholen, denn nach der Wand geht es auf den Rängen weiter, wo man überwiegend nur hintereinander laufen kann. Doch, ich rutsche weg, komme aus dem Tritt und nicht vorbei an der Läuferin vor mir. Auf den Rängen dauert es paar Meter bis ich vorbei kann. Das hat schon mal ein paar Sekunden gekostet. Jetzt geht es noch ein paar Treppen hoch und hinein in den Tribünengang. Dort stehen noch mal Hindernisse, damit man nicht zu einfach durch die Gänge laufen konnte. Dann Treppe runter, ich habe überhaupt keinen Rhythmus gefunden. Es geht in eine weitere Nebenhalle, wo eine Brücke aufgebaut ist. Brücke hoch und runter, durch tiefen Sand in die nächste Halle, wo ein 3m hoher Berg wartet. Der Berg ist überquert, nun folgt eine recht einfach zu laufende Passage in eine weitere Halle mit kleiner Buckelpiste und Düne. Danach geht es heraus. In die Kälte – am ganzen Wochenende wird es nicht über 2°C sein – durch Kunstschnee. Dieser ist total schlecht zu belaufen. Ich stapfe dort durch, jeder Tritt geht fast bis auf den Boden und der Schnee steht dann bis zu den Knien. Richtiger Schnee ist viel fester. Mit dem Problem stehe ich aber nicht alleine da und auch weitere Läufer sind meiner Meinung. Für die Koordination ist es aber trotzdem gut. Dann geht es aus dem Schnee wieder Treppe hoch und runter und wieder herein ins Warme und weiter Treppe runter in die Katakomben. Dort ein kleines Stück mit engen Kurven und wieder Treppe rauf. So lange bis ich im dritten Rang der Tribüne bin und wieder über die Ränge laufe. Hier bekomme ich mit, dass ich aktuell auf Platz 17 liege. Es ist gut moderiert und Zwischenzeitenmatten sorgen dafür, dass man als Zuschauer und als Läufer gut über den Stand der Dinge informiert ist. Platz 17. Ich renne mir die Seele aus dem Leib und stehe nur auf 17. Ich kann aber nicht mehr zulegen und nach mir starten ja auch noch Topläufer wie z.B. das Nationalteam Orientierungslauf. Ich bin schon kaputt. Nach einer halben Tribünenrunde geht es jetzt wieder ins Treppenhaus. Herunter bis in die Katakomben. Dort liegen auch noch mal herbstliche Blätter auf dem Weg. Dann scharfe Rechtskurve, Treppe hoch und ich bin wieder im Innenraum der Haupthalle. Letzter Hügel, Sumpf, Rechtskurve… und Ziel. Nach 5:51,1 Minuten bin ich im Ziel… fix und alle. Ich pumpe, wie ich es lange nicht mehr tat. Mein Tagewerk ist vollbracht, kein Endlauf mehr, worüber ich aber auch ganz froh bin. Die Strecke hat es in sich. Und in der Tageswertung werde ich letztendlich 42.

 

Den Freitag rundete ich mit meiner Teilnahme am Stirnlampen-Trail ab. Für die 3-Tage-Läufer war die Teilnahme kostenlos. Man konnte sich am Messestand, es war auch 3 Tage lang Trailrunning-Messe, von Craft eine Stirnlampe ausleihen und dann ging es zum Start. Um 21 Uhr wurden für 15 Minuten die Lichter gedimmt bzw. ausgemacht … und so konnte man den Trail in Dunkelheit laufen. Das hat Spaß gemacht. Ich verabschiedete mich anschließend bis zum nächsten Tag.

 

Samstag, 12:32:40 Uhr

Heute ist die Runde 4x zu laufen. Das wird anstrengend. Mein ursprüngliches Ziel Endlauf habe ich schon abgehakt. Nach dem gestrigen Tag, was Resultat und Befinden angeht, ist nicht damit zu rechnen. Trotzdem bereite ich mich gewissenhaft vor und beneide all diejenigen, die schon früh starten dürfen, denn die haben einen Vorteil… nämlich den, dass sie die ersten Runden relativ ungestört auf dem engen Parcours laufen können. Ich starte mittendrin. Und so ist es auch bei meinem Lauf. Viele Überholmanöver, da wo es geht, ansonsten auch öfter mal langsames Hinterherlaufen, weil das Überholen nicht möglich ist. Es gibt viele faire Läufer, die Platz machen oder sich nicht über einen unvermeidlichen kurzen Körperkontakt beschweren (ich habe mich auch jedes Mal mit ’nem „sorry“ entschuldigt), aber es gibt auch einige Ausnahmen. Natürlich ist es nicht schön, wenn man von vielen überholt wird, die einen ggf. auch noch berühren, aber wer das nicht abkann, der sollte sich für so eine Veranstaltung nicht anmelden. Manch Aufregung einiger Miesepeter habe ich wirklich nicht verstanden. Ich werde auf den vier Runden auch überholt, na und? Die Strecke ist nun mal überfüllt mit Läufern. Ich laufe, so gut es geht, meinen Stiefel weiter und bin nach 25:08,6 Minuten im Ziel. Ich bin wieder fix und fertig, wobei ich mich ein klein wenig besser fühle als gestern. In der Endabrechnung belege ich den 46.Platz. Keine wirkliche Steigerung im Vergleich zum Vortag.

 

Sonntag, 12:34:20 Uhr

Heute noch mal 8 Runden. Wie bescheuert. Diese verdammt harte Strecke und dann 8 Runden. Es vermischten sich Furcht und Freude. Denn so anstrengend dieser Trail auch ist, so viel Abwechslung und ja, auch Freude, bringt er mit sich. Und heute wird nach Platzierung gestartet. D.h. der 11. Platz in der Gesamtwertung beginnt, gefolgt vom 12. u.s.w. Die Top-10 haben später ihren eigenen Endlauf. Ich bin vor dem 10,4 Km Trail auf Platz 37. Das Schöne an dieser Startreihenfolge: es laufen nur Schnelle vor mir. Die ersten 3-4 Runden komme ich deshalb auch richtig gut voran, die Strecke ist viel leerer als gestern. Nach 4 Runden bin ich auch deutlich - über eine Minute - schneller als nach 4 Runden am Vortag. Nun wird die Strecke wieder belebter, doch im gesamten Rennen habe ich nicht dieses Gefühl so ausgebremst zu werden wie am Samstag. Das macht noch mal richtig Spaß. Und dann ist es schon vorbei…. nach über 2000 Treppenstufen und über 400 Höhenmeter bzw. nach 48:36,7 Minuten und in der Tageswertung auf Platz 24. Ich wünsche mir im Ziel als Erstes morgen noch mal ran zu dürfen ;)

 

Natürlich war ich im Vorfeld mit anderen Erwartungen an das Event herangegangen, v.a. was meine Leistung betrifft. Aber da wusste ich noch nicht, dass so viele gute Trailläufer an den Start gehen. Es war wirklich ein faszinierend gutes Teilnehmerfeld, selbst ein Marathonläufer mit einer Zeit von unter 2:20h (gelaufen im letzten Jahr) hat nicht ein Finallauf mitmachen dürfen. Traillauf und Straßenlauf sind – wie ich vorher schon wusste und jetzt noch deutlicher – zwei ganz unterschiedliche paar Schuhe. Selbst wenn ich fit gewesen wäre, hätte ich keine Topplatzierung erreicht.

Ich habe mir die Finalläufe an dem Wochenende gern angesehen und war begeistert, wie die Jungs gelaufen sind. Das war großer Trailsport.

 

Ein Ziel hatte ich dann aber doch noch erreicht: möglichst viel Spaß zu haben. Ob auf der Trailmesse, mit dem Rahmenprogramm oder mit dem eigentlichen Event… es war eine Gaudi. Ich werde wohl wieder hinfahren, wenn es 2014 heißt: Indoor Trail in Dortmund!

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