Osterlauf in Paderborn

Auch der Paderborner Osterlauf war von meiner Wintermüdigkeit betroffen. Ich wusste ja nicht, dass mich dieser Winter so fertig macht. Mein Ursprungsziel von 31:45 Minuten konnte ich ad acta legen, dafür hatte ich viel zu wenig getan und die Tempohärte fehlte vollends. Draußen konnte ich diese ja auch nicht trainieren, da Schnee und Eis das Lübecker Stadtbild prägten. Nach dem Rom Marathon und der Erkenntnis „jetzt muss ich mal wieder was tun“, durchbrach ich die Wintermüdigkeit. Nach einer Erholungswoche nach dem Marathon ging ich mit dem Ziel Hamburg Marathon in die Vorbereitung… und die sah für Ostern ein Heim-Oster-Trainingslager vor. Beginn Gründonnerstag. 19 Km in zwei Trainingseinheiten war ein lockerer Beginn. Am Karfreitag dann 30 Km in zwei Trainingseinheiten. In diesem Jahr war ich noch nie so viel an zwei aufeinander folgenden Tagen gelaufen. Wie sollte Paderborn dann laufen? Der Osterlauf ist traditionell am Ostersamstag. Ich fuhr mit einem dicken Fragezeichen nach Paderborn. Wenn ich unter 33 Minuten bleiben könnte, wäre das nach dem Winter und den letzten beiden ersten echten Trainingstagen ein Erfolg für mich. Als wir ankamen, fragte ich mich, was wir hier nur machen. 2°C. Wie in Frankfurt. Nicht mein Wetter. Und zu allem Überfluss fing es mit Startschuss an zu schneien. Bäh. Den ersten Kilometer musste ich mich erst mal an das hohe Tempo gewöhnen… ich war lange nicht mehr so schnell unterwegs. Und die Uhr zeigte 3:12 Minuten an. Zu schnell war das ja eigentlich nicht. Ich fand mich so langsam herein in den Wettkampf, dachte aber die ganze Zeit, dass ich meine Beine gar nicht schnell genug bewegen konnte. Die fühlten sich wie zwei Klötze an. Ob das nun am mangelnden Tempotraining oder an den letzten beiden Tagen lag oder am kalten Wetter... vermutlich die Mischung aus allem. Doch ich hatte nach 2 Kilometern zwei Mitläufer gefunden. Bis Km 5 wechselten wir uns regelmäßig ab, wobei ich taktisch klug die Gegenwindabschnitte im Windschatten lief. So langsam fühlte ich mich besser. Bei Km 5 mussten wir eine Brücke hoch laufen, da zerfiel unsere Gruppe. Einer vorweg, der andere fiel zurück. Und dann Km 5: 16:34 Min. Erst war ich verwundert, ich dachte ich wäre schneller. Ich war etwas enttäuscht und sah keine Chance mehr unter 33 Minuten zu bleiben. Auf einmal fühlte ich mich wieder schwer – so wie am Anfang. Mich überholte einer, da klemmte ich mich erst mal an seine Fersen. Und schon kam Km 6. Ein kurzer Blick auf die Uhr. Ich wusste es.... das 5-Km-Schild stand an falscher Stelle. Ich war doch flott unterwegs und sah nun, dass ich unter 33 Minuten bleiben könnte. Jetzt war ich wieder motiviert... und mein Wettkampf begann. Ich konnte noch einige Kräfte mobilisieren und startete meine Aufholjagd. Zwei, drei Läufer überholte ich. Bei Km 8 fand ich wieder Anschluss an meinen Mitläufer (Km 2-5). Auch den überholte ich. Nun lief 50m vor mir noch einer. Und ich merkte, ich komme immer näher. Es waren keine zwei Kilometer mehr. Ich war nah dran an Schnappatmung, aber die Motivation... ich war lange nicht mehr so motiviert. Jetzt wurde es „mein“ Lauf. Km 9, noch ein Kilometer. Das ist mein Kilometer. Der vor mir hatte keine Chance. 800m vor dem Ziel überholte ich ihn und lief als 28. über die Ziellinie. 32:17 Minuten. Ich war stolz wie Oskar. Nach dem Winter und den letzten beiden Tagen hatte ich davon nicht mal geträumt. Paderborn hat sich für mich definitiv gelohnt. Und, was in diesem Jahr über die 10 Kilometer-Strecke noch möglich sein könnte, verrät ein kleiner Blick zurück: 2009, das Jahr meiner PB, hatte ich im April mit einer 32:11 eröffnet. Es könnte ein gutes Jahr werden ;-)

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