München zum dritten - mit Deutscher Meisterschaft

Nach 2008 und 2009 lief ich in diesem Jahr bereits zum dritten Mal den München Marathon. Ich finde ihn nun mal schön und wenn dann schon die Deutschen Meisterschaften dort stattfinden, ist das Grund genug dort zum wiederholten Male zu starten. Und es hat ja auch seine Vorteile: man kennt die Wege zur Messe, zur Kleiderbeutelabgabe, zum Start etc.

Und ich kannte die Strecke, was die Vorfreude bekräftigte. Die Tage zuvor ging ich einige Streckenabschnitte im Kopf durch, besonders freute ich mich auf den Zieleinlauf (und die Brez’n) im Olympiastadion sowie die Passage durch den Englischen Garten. Ich war bereit für den Marathon. Der Sonntag ließ auch nicht lange auf sich warten. Es war soweit, es konnte losgehen. Am Morgen war ich noch nicht einmal aufgestanden, da schlug ich die Hände über dem Kopf zusammen. Es regnete! Oh je… Nach dem Frühstück ging’s Richtung U-Bahn, dick eingemurmelt (es waren ja auch nur 4°C) und regengeschützt. Und prompt hörte es auf zu regnen. Sogar ein, zwei Streifen blauer Himmel waren zu erahnen… es könnte doch noch ein schöner Tag werden… ein Glück. Als wir am Olympiastadion ankamen, erwarteten uns schon die ersten Sonnenstrahlen. Für den Lauf waren die Bedingungen dann gut. Am Start hatten wir 6-7°C, bei meiner Zielankunft ca. 10°C. Es hätte wärmer sein dürfen, aber Sonne und Windstille entschädigten für die fehlenden Grade ;)

Meine Positionierung am Start war suboptimal. Ich kam nicht so gut weg. Nach einem Kilometer konnte ich erst frei laufen, doch da hatten sich vorne bereits zwei große Gruppen gebildet. Ich lief in einer deutlich kleineren Gruppe dahinter. Der erste Km war in 3:31 Min für mich perfekt, da ich aber 10 Sekunden benötigte um über die Startlinie zu laufen, lief ich wohl meiner eigentlichen Gruppe hinterher. Nach drei Kilometern ging es auf eine Gerade Richtung Siegestor, an diesem vorbei, bei Km 4 in eine 180°-Wende und auf der anderen Straßenseite zurück. Nun kamen mir die ersten beiden Gruppen entgegen. Die erste Gruppe wäre mir zu schnell gewesen, aber die zweite Gruppe schien nicht zu schnell zu laufen. Und der Abstand blieb auch erstmal konstant. Nach der Wende war ich auf einmal ganz allein unterwegs. Dabei hielt ich nur das Tempo, es war ja noch zu früh, um Gas zu geben. Aber was sollte ich nun tun? Ich blieb erstmal locker. So locker, dass ich erst nach 17:45 Min Km 5 erreichte. Eigentlich 15 Sekunden zu langsam. Aber das war nicht so schlimm, ich fühlte mich ja gut. Das wird schon noch. Und es passierte was: aus der großen Gruppe vor mir ließen drei Läufer abreißen. Die wollte ich einsammeln und tat das auch, als wir in den Englischen Garten abbogen (Km 7,5). Ich lief aber vorbei, denn ich hatte die nächsten beiden zurückgefallenen Läufer im Visier. Diese schienen mir besser drauf zu sein. Die Aufholjagd gestaltete sich schwierig, denn die beiden vor mir hatten vor sich ebenfalls zwei Läufer aus der ehemaligen Gruppe. So wollte ich die einen und diese die anderen einholen. Ziemlich genau bei Km 10 folgte der Zusammenschluss. Meine letzten 5 Km waren zwanzig Sekunden schneller als die ersten 5 Km. Schneller wollte ich jetzt nicht werden, also blieb ich in der 5er-Gruppe. Die nächsten 2 Km lief ich nur mit und genoss den Englischen Garten… zumindest so gut es ging. Von da an sorgte ich wieder mit für Tempo, denn dieses schien zu verflachen. Einen Kilometer später hatte ich mich mit einem Mitläufer von den anderen abgesetzt. Vor uns lief nun wieder die „große“ Verfolgergruppe. Der Abstand blieb konstant. Es kam die Verpflegung bei Km 14, hier nahm ich mir ein Gel mit. Km 15: 52:49. Zeit war okay. Befinden auch. Vor der nächsten Wasserstation riss ich das Gel auf. Es schmeckte nicht gut, aber besonders ekelig war, dass es nicht flüssig, sondern eher fest war. Zum Glück konnte ich es mit Wasser verdünnen. Nun ging es weg vom Englischen Garten einen langgezogenen Anstieg hoch. Hier holten wir den nächsten zurückgefallenen Läufer ein und waren kurzzeitig wieder zu dritt. Es ging flach weiter und wir holten wenige Meter auf die Gruppe vor uns auf. Wäre ich nur von Anfang an in dieser Gruppe dabei gewesen, sie lief ein gutes Tempo. Wir kamen zwar näher, schafften aber den Anschluss nicht. Bei Km 20 reichte es mir. Ich wollte in diese Gruppe vorlaufen. Ich löste mich von meinem Mitläufer und schaffte kurz vor der Halbmarathonmarke den Anschluss. Die Hälfte war dann nach 1:14:08 absolviert. Mit mir war die Gruppe jetzt 7 Mann stark. Ich lief nach der 20-Kilometer-Aufholjagd erst einmal nur mit. Bald schon war Km 25 erreicht. Das ging ziemlich flott, dachte ich. 17:31 für die letzten 5 Km. Wunderbar, es lief. Einen Kilometer später war die Herrlichkeit dahin. Mein Bauch meldete sich zu Wort. Das Grummeln nahm von Meter zu Meter zu. Ich versuchte es zu ignorieren, blieb hartnäckig in der Gruppe, in der jetzt auch etwas passierte. Ein, zwei Läufer hatten zu kämpfen und vorne wurde Druck gemacht sowie der ein oder andere eingeholt. Ich blieb dran. An der nächsten Wasserstation nahm ich noch einen Schluck Wasser. Mein Bauch meldete sich immer heftiger zu Wort. Das kann doch nicht wahr sein. Dann bei Km 30 (die letzten 5 Km in 17:33 – es war perfekt, unter 2:30h möglich) das Unvermeidliche: ich musste auf die Toilette. 4 Km hatte ich durchgehalten, mehr ging leider nicht. Danach versuchte ich noch einmal in Fahrt zu kommen, was über den Marienplatz bis hin zu Km 32 auch einigermaßen ging, doch da fing es im Bauch wieder an zu grummeln. Ich nahm Tempo heraus, sodass ich hoffentlich bis in Ziel käme ohne noch mal anhalten zu müssen. Schubweise meldete sich der Bauch immer wieder. Bei Km 33 kam mir die Spitze des Marathons entgegen. Oh man, die waren schon mehr als 3 Km weiter. Immerhin wusste ich da bereits, wer der neue deutsche Meister sein wird. Motivation gab mir das auch nicht mehr. Ich erreichte Km 35. Irgendwie war es deprimierend. Immer wenn ich versuchte wieder etwas schneller zu laufen, erhöhte es die Darmtätigkeit. Durchhalten. Das war jetzt das einzige, was zählte. Km 40 lag hinter mir. Ich lief durch den Startbogen hindurch. Nun war ich am Olympiapark und mit der nächsten Kurve im Park. Die Motivation und Freude stiegen wieder. Das Ziel, das Olympiastadion, war ganz nah. Ich sah auf der Uhr, dass es eine Zeit zwischen 2:35h und 2:36h werden würde. Ich wollte die 35 stehen haben, hatte ich noch nie. Also versuchte ich das Tempo noch einmal langsam zu steigern. 1,5 Km – also bis zur Zieltoilette ;) - kann ich das jetzt durchhalten. Es klappte. Ich lief endlich wieder unter 4 Min/Km. Das Stadion war erreicht. Erst einmal außen herum und dann durch das Marathontor in das Stadion. Gänsehaut. Nur was ist das? Die Laufbahn war nicht da. Das Stadion ist geteert. Welch Frechheit!  Dennoch ließ ich es mir nicht nehmen, die letzten Meter noch einmal zu genießen. Nach 2:35:13 war ich im Ziel. 28. gesamt, 23. bei der DM. Nach dem Rennverlauf war das voll iO. Ärgerlich nur, dass es passierte. Ansonsten ging es mir ja sehr gut. Und das ist, was ich mitnehme: das gute Gefühl. Deshalb bin ich auch zufrieden.

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