Marathon-SB in Valencia

Jede Valencia-Story beginnt mit dem Frankfurt Marathon 2012. Dort war nicht mein Wetter (kalt) und nicht mein Tag, trotz bester Vorbereitung lief nichts zusammen (2:43h). Ich war so enttäuscht, dass ich in 2012 unbedingt noch einen Marathon laufen wollte. Nur für das Gefühl, es besser zu können. Die Auswahl war allerdings nicht mehr so groß, sollte es doch ein Marathon werden, wo das Wetter stabiler und wärmer ist. So kamen nur noch Valencia oder Lissabon in Frage, weil ich auch keinen Urlaub mehr hatte. Die Wahl fiel auf Valencia, es wurde ein 24-Stunden-Trip und sehr erfolgreich (fast 7 Minuten schneller als Frankfurt). Der Zieleinlauf war grandios, die Stadt recht interessant. 2013 machte ich dort eine Woche Urlaub und lief die 10 Km. Ich sagte danach, wenn ich nochmal in Valencia laufe, dann den Marathon – weil der Zieleinlauf nach der Distanz ergreifender ist als nach einem 10er.

Dass ich dann gleich dieses Jahr wieder dort Marathon laufe, war in der Jahresplanung gar nicht vorgesehen – es ergab sich dann so im Laufe des Sommers.

Die Vorfreude war groß, obwohl ich nicht vorbereitet war. Nach der Tour de Tirol Anfang Oktober hatte ich zunächst 2 Wochen pausiert, dann blieben bis Valencia noch 4 Wochen übrig. Die erste davon war zum Wiederreinkommen. 60 Wochenkilometer, darunter der Röntgenlauf-Halbmarathon, den ich gewann, auch wenn ich mich sehr unfit fühlte. Die zweite Woche war mit 87 Wochenkilometern in sechs Tagen schon besser, die dritte mit 112 Km in sechs Tagen perfekt. In der Marathonwoche powerte ich mich Dienstag bei den (kurzen) Intervallen noch ordentlich aus, bevor die letzten lockeren Läufchen absolviert wurden. Sonntag war dann Marathon.

Mein Ziel war es... ja, so genau, wusste ich es auch nicht. Eigentlich hatte ich gar kein Zeitziel, höchstens das, evtl. schneller als in Münster zu sein (2:36h). Dort hatte ich die Erkenntnis gewonnen, dass ich es durchaus öfter versuchen sollte, schneller loszulaufen. Wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Mal kommt man durch, mal nicht. Geht den Profis ja auch nicht anders. Also war meine Renntaktik für Valencia geboren. Drauf los und abwarten, was passiert.

Mit dem „Drauf los“ war das so eine Sache. Die Startblockzugehörigkeit war aufgrund der sehr undeutlichen Farbmarkierung schwer auszumachen, ich musste daher im zweiten Startblock stehen und benötigte exakt 30 Sekunden um über die Startlinie zu kommen. Es waren also eine Menge Leute vor mir, die überholt werden mussten. Auf der Brücke, auf der gestartet wurde, war das kaum möglich, aber dann wurden die Straßen breit und ich lief mich in meinen Rausch. Km 1 war mit 3:58 Minuten einer der langsamsten im ganzen Rennen. Ich haderte aber nicht damit, sondern nahm es zur Kenntnis. Jetzt war der Weg ja frei und ich gab Gas. Zwischen Km 2 und 3 wagte ich gar ein Blick zur Seite: der Hafen, das Mittelmeer... wie schön. Wie das Wetter. Sonnig und schon angenehme 15-17°C (09.00 Uhr morgens!). Es ging weiter, recht unspektakulär, aber flach.

Km 5: 17:52 Min.

Wenn man den ersten Kilometer abzieht, war ich mit einem Schnitt von knapp unter

3:30 Min/Km unterwegs. Und es fühlte sich deutlich besser an als in Remscheid drei Wochen zuvor. Auf der Gegenseite kamen mir jetzt die Führenden entgegen, etwas später die führenden Frauen und dann hatte ich die Wende auch erreicht. 2 Km später hatte ich die Frauenspitze eingeholt und lief erstmal mit.

Km 10: 35:17 Min (5 Km: 17:25 Min).

Ich hielt meinen Schnitt und fühlte mich weiterhin wohl. Die Strecke blieb unspektakulär, aber das machten die Zuschauermassen wett, die für ordentlich Stimmung sorgten. Ich ließ die Frauen nun hinter mir und machte mich auf, die nächste Kleingruppe vor mir einzuholen. Der Anschluss war alsbald geschafft.

Km 15: 53:01 Min (5 Km:17:44 Min)

Manche Zeiten waren dem Wind geschuldet, der immer mal wieder daherkam. Der letzte Abschnitt hatte einen höheren Gegenwindanteil. Jetzt wurde es aber wieder besser und ich konnte alleine weiterlaufen, immer den nächsten Mitstreiter ins Auge fassend. Es folgte eine lange, fast zwei Kilometer lange Gerade. Das Publikum war gigantisch an diesem mittlerweile rund 20° warmen Novembertag. Doch hier war auch einer der vielen Animationspunkte... dieser jagte mir nun Gänsehaut ein. Aus den Lautsprechern ertönte eine Instrumentalmusik, die für mich in diesem Moment sehr ergreifend war. In diesem Moment fühlte ich mich so wohl und war so froh hier zu sein. Es war wunderschön. Dementsprechend lief es auch weiter gut.

Km 20: 1:10:32 h (5 Km: 17:31 Min)

Noch ein Kilometer bis zum Halbmarathon.

Halbmarathon: 1:14:19 h

Das war sie nun die erste Hälfte. Ich war flott unterwegs, hatte mein Motto für dieses Rennen also gut in die Tat umgesetzt. Ich war sogar eine Minute schneller als in Remscheid. Und ich hatte jetzt noch sämtliche Optionen auf eine gute Zielzeit. Für die Zeit aus Münster hatte ich gar noch 1:22h Zeit. Das muss doch reichen, dachte ich. Die nächsten Kilometer waren gemein, man lief dem Start-Ziel-Gebiet entgegen, bog dann aber bei Km 24 ab (Luftlinie bis zum Ziel: 750m). Nun ging es endlich Richtung Innenstadt.

Km 25: 1:28:11 h (5 Km: 17:39 Min)

Ich war immer noch flott unterwegs, auch wenn es jetzt langsam schwer wurde. Die Strecke wurde auch „profilierter“. Ein, zwei minimale kleine Anstiege. Wirklich nichts Dramatisches, aber wenn man so langsam in die Knie geht, wie ich in dem Moment, dann doch zu merken. In der Innenstadt war etwas weniger los als außerhalb, dafür hatte man jetzt was für’s Auge. Ich dachte aber immer nur, hier war ich doch schon mal... letztes Jahr mit einem Leihrad. Die Gedanken waren auch ganz nett und ließen mich doch noch gut weiterlaufen.

Km 30: 1:46:31 h (5 Km: 18:20 Min)

Gerade hier hatte ich mir vorgenommen, mich noch mind. 2 Km bis Km 32 durchzubeißen. Erstaunlicherweise klappte das überhaupt nicht, dafür ging es mir ab Km 32,5 wieder besser und es lief wieder flüssiger. Mit dem Tierpark, an dem wir jetzt vorbeiliefen hatte das aber nichts zu tun. Und eigentlich hätte ich demotiviert sein müssen, denn auf den letzten Kilometern wurde ich von den Frauen und noch einigen Männern überholt. Aber wie gesagt, es lief wieder etwas besser, auch wenn es nicht mehr das Zeitniveau der ersten 25 Km war.

Km 35: 2:05:51 h (5 Km: 19:20 Min)

Ich rechnete jetzt meine Zielzeit aus... wenn ich einen 4er-Schnitt zu Ende laufen würde. 2:34:30! Wie geil, dachte ich. Kaum trainiert dafür und dann war eine Zeit von unter 2:35h möglich. Es vermittelte mir jedenfalls gute Laune für die nächsten 500 Meter ;) Dann war es wieder das typische Marathon-Schwere-Gefühl. Doch es ging jetzt mit leichtem Rückenwind auch mal minimal abfallend weiter und wieder war ein Km unter 4 Min geschafft. Ich holte jetzt sogar nochmal zwei Läufer ein, wurde aber auch nochmal von einem überholt. Und dann kam Km 40 schneller als gedacht in Sichtweite.

Km 40: 2:25:00h (5 Km: 19:09 Min)

Jetzt bekam ich richtig gute Laune. Wenn ich unter 9 Minuten bleibe, bleibe ich unter 2:34:00! Unter 8 Minuten hatte ich mir nicht mehr zugetraut, dafür war ich schon zu alle. Die letzten 2 Km waren dann auch nochmal richtig schön. Links der Straße lag der Turia-Park, ein begrüntes mit unzähligen Sportanlagen ausgebautes ehemaliges Flussbett. Die Palmen guckten über die Wände. Schon kam der Musikpalast im Turia-Park in Sicht, von hier aus, wusste ich, sind es noch 1,5 Km. Und das riesige Opernhaus war schon zu sehen. Dort ging es hinunter in den Park. Ich lief darauf zu und so langsam türmte sich die in den Turia-Park integrierte Stadt der Wissenschaften und Künste auf. Am Opernhaus ging es jetzt herunter, ich befand mich auf dem letzten Kilometer, den ich so gigantisch finde. Ich sog die Stimmung auf und auch wenn sich die vorletzten Meter noch einmal ziehen... ich war da... gleich geschafft. Ich erreichte das ultimative Highlight, den blauen Teppich bei Km 42. Soweit nichts ungewöhnliches, aber jetzt bog ich links ab... und lief die letzten 195m über Wasser (und natürlich über den blauen Teppich). Der Zieleinlauf ist so genial wie kein anderer. Rund um das Wissenschaftsmuseum sind Wasserläufe/-becken angelegt... und zum Marathon wird in einem dieser Becken ein Gerüst hineingestellt, paar Bretter und der Teppich darauf und fertig ist der Zieleinlauf. Es sieht cool aus und ist es auch. Darauf hatte ich mich schon im Vorwege gefreut und dementsprechend genoss ich es auch.

Ziel: 2:33:16 h

Die letzten 2,195 Km waren dann doch noch ziemlich gut, was wohl an meiner positiven Stimmung lag. Und die Zeit ist genial. Minimaler Aufwand, maximaler Ertrag würde ich dazu schon fast sagen. Jedenfalls bin ich äußerst zufrieden. Zudem wurde ich damit 34. von 11.523 Finishern! Noch ein positiver Nebeneffekt.

Mein 29. Marathon war somit einer der besseren, um genau zu sein mein achtbester. Der letzte positive Nebeneffekt.

Valencia wäre aber auch ohne guten Marathon die Reise wert gewesen... es ist eine sportliche, schöne Stadt.

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